Die Untiefen des Netzes
Photowebsites sind populär. Nicht nur jene von der Art wie Flickr oder Picasa, sondern einfach solche zu gewissen Themen, Leute schicken ihre meist sinnlosen Bilder ein und sind wahnsinnig stolz, auf diese Weise zur allgemeinen Erheiterung beizutragen. Und gerade diese Websites zeigen die großen Ströme der Interessen auf, in denen fast jeder irgendwie, wenn schon nicht mitgerissen wird, dann zumindest träge dahindümpelt.
Eichentlich ist es ganz simpel. Der Titel ist gleichzeitig die Domain der Website, und setzt sich wie folgt zusammen: Substantiv Präposition Substantiv Punkt Com. Die Themen sind, wie gesagt, variabel, jedoch lassen sich die Webuser grob auf drei große Gruppen aufteilen.
Da wäre die Gruppe eins, die Crazy Cat Ladies. Ein Beispiel: Cats in Sinks – Bilder von Katzen in Waschbecken. Reizend. Sinnlos. Milde amüsant, für Katzenliebhaber, derer es offensichtlich mehr als genug gibt. Sie speichern die niedlichsten Bilder und sehen sie nie wieder an, googlen ab und an ein Zitat und verfolgen die Blogs ihrer besten Freunde, nur um den Entry am nächsten Tag bei einem Café Latte zu diskutieren. Das, und das neue Kuchenrezept von Martha Stewart, und die Bastelanleitung für diesen niedlichen Teewärmer…
Nun, stellvertretend für Gruppe zwei, das nächste Beispiel: Woman with Mustaches. Zielgruppe: Menschen mit schlechtem Humor (Punkt komm). Sie sehen sich selbstzerstörerische Youtube-Videos an, in denen sich fremde Leute in der Achterbahn in die Hose machen, oder widmen sich ähnlich geistvollen Online-Aktivitäten, fühlen sich dabei als die Könige des Netzes, weil sie Buchstaben durch Ziffern ersetzen und andere als Noobs bezeichnen. Aber hey, ich meine, es muss schon frustrierend sein, tagein, tagaus an der Tankstelle zu arbeiten, ohne Aussicht, jemals etwas anderes zu machen. Gönnen wir ihnen das Bisschen Spaß.
Oh, und dann fehlt noch Nummer drei: die notgeilen Narzissten. Unser repräsentativer Link hierzu: Guys with iPhones. (Und ich spreche hiermit eine ausdrückliche WARNUNG aus, diesen Link zu klicken. Ich weiß, dass es gerade deswegen trotzdem alle tun werden, aber dammit, ich meine das ernst!) Sie haben mindestens je eine Facebook-, StudiVZ-, Twitter- und MySpace-Seite, wo sie sich jeweils der verherrlichenden Selbstdarstellung widmen, saugen Pornos und schlechte Musik und ersteigern Sitzbezüge und Alufelgen für ihr Auto bei Ebay. Und das alles für den höheren Zweck… ich weiß es nicht, jemanden aufzureißen? Und es dann allen gleich mitteilen zu können. “Hey, ich hab grad ‘ne echt geile Nummer geschoben mit – uh, wei heißt du nochmal? — von meinem iPhone gesendet”
Aber wie gesagt, die Einteilung ist nur grob, die einzelnen Strömungen, neigen dazu, sich zu überschneiden und ineinander über zu gehen, außerdem gibt es noch diverse Randgruppen, wie etwa die krankhaften Individualisten, die im “Anderssein” alle gleich sind, oder die Webcomic-Community, wo die täglichen drei Bildchen nur ansatzweise über den Mangel an einem eigenen Sozialleben hinwegtrösten können…
Wahrscheinlich müsste ich jetzt Angst haben, jemanden damit beleidigt zu haben. Andererseits habe ich I Can Has Cheezburger im RSS-Feed, finde es wahnsinnig erhebend, mit die kleinen Fehler der Stars in Großaufnahme anzusehen, besitze einen selbstverherrlichenden Twitter-Account und verspüre gelegentlich den Drang Küchenutensilien zu häkeln. So what?