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Gemeinsam einsam.

Datum: 13.9.2009
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die einsamkeit der primzahlen Lesestoff: Die Einsamkeit der Primzahlen von Paolo Giordano

Primzahlzwillinge, das sind zwei Primzahlen, die nur durch eine einzige dazwischenliegende Zahl getrennt werden. Sie kommen nicht sehr häufig vor, und je weiter man zählt, desto seltener werden sie. Aber immer dann, wenn man schon denkt, es gäbe keine weiteren mehr, findet man doch noch ein solch seltsames Paar. Schicksalhaft vielleicht. Sich so nahe, und doch auf ewig von ihrem Gegenstück getrennt.

Mattia hat eine Schwäche für Primzahlen. Und er und Alice, findet er, sind wie Primzahlzwillinge, die sich gegenseitig näher sind als allen anderen, sich aber nie ganz erreichen werden. Sie kennen sich seit ihrer Schulzeit, teilen so viel und doch so wenig, jeder mit seiner eigenen Bürde belastet, die er seit seiner Kindheit mit sich herumträgt. Ein einziger Tag war es, der jedes dieser beiden Leben auf immer verändert hat. Ihnen vielleicht für immer die Chance genommen hat, glücklich zu werden. Vielleicht haben sie das aber auch selbst getan.

Es ist wieder eines dieser Bücher, die man nicht mehr aus der Hand legen kann, wenn man sie einmal aufgeschlagen hat. Von denen man sich wünscht, sie mögen niemals enden. Deren Protagonisten man nicht zu trösten versuchen würde, sondern sich einfach still neben sie setzen und nur eine zeitlang in die selbe Richtung mit ihnen blicken.

Genau das würde ich tun.

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Dystopia

Datum: 24.8.2009
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Lesestoff: Corpus Delicti von Juli Zeh

Eine Dystopie ist eine Geschichte, die in einer fiktiven Gesellschaft spielt, die sich zum Negativen entwickelt hat [...]. Häufig wollen die Autoren dystopischer Geschichten mit Hilfe eines pessimistischen Zukunftsbildes vor Entwicklungen in der Gegenwart warnen.
Eine dystopische Gesellschaft ist in der Regel charakterisiert durch eine autoritäre oder totalitäre Regierungsform bzw. eine Form repressiver sozialer Kontrolle.

“Ein Prozess”, so lautet der Untertitel; jener wird einer jungen Frau gemacht, die erst unfreiwillig zur Rebellin deklassiert wird, und später aus Überzeugung zur Märtyrerin werden will. Und tatsächlich scheint sie an den Grundfesten der Übermächtigen “Methode”, die alle Lebensbereiche der Gesellschaft zum höheren Zweck der “Gesundheit” kontrolliert, rütteln zu können. Aber die selbsternannte “4. Staatsgewalt”, die Presse, größter Kontrahent und gleichzeitig wertvoller Verbündeter, lässt sie keinen Schritt unbeobachtet tun.

Normalerweise kaufe ich keine Hardcovers. Zu teuer und nehmen zu viel Platz im ohnehin schon überquellenden Bücherregal weg. Außerdem eher ungünstig bei meiner aktuellen Umzugsstatistik, die erfordert, dass meine Mini-Bibliothek etwa alle 8 Monate von A nach B verlegt wird. In diesem Fall wurde mir die bestätigende Ausnahme zur Regel geradezu aufgezwungen, weil ich das Buch einfach nicht mehr aus der Hand legen konnte, nachdem ich im Geschäft bereits über Stunden herumgelungert hatte und es zur Hälfte ausgelesen hatte.

Fesselnd, verstörend und sprachlich herausragend.

“Ich glaube nicht an Gott und er glaubt nicht an mich. Das beruht auf Gegenseitigkeit.”

Juli Zehs Webpräsenz
Am 12. November 2009 zusammen mit Slut im PPC Graz: Corpus Delicti – Eine Schallnovelle
Sämtliche Tourtermine in Österreich und Deutschland bei Schöffling & Co.

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Andererseits…

Datum: 22.8.2009
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Lesestoff: The Other Hand von Chris Cleave (Twitter: @chriscleave)

Wieder einmal eines dieser Bücher, das ich zufällig in die Hand nahm, weil mir das Cover zusagte. Und das ich nicht mehr aus selbiger legte, weil mir der Inhalt gefiel. Wenn ich jetzt sage, dass darin das Migrationsthema behandelt wird, schreckt das vermutlich viele ab, deswegen will ich anders beginnen:

Es geht um die Geschichte zweier Frauen, einer Nigerianerin und einer Britin, deren Wege sich erst zufällig, dann durch Absicht kreuzen, was im Endeffekt für beide all das verändert, was ihnen vertraut war. Oder zumindest so schien. Menschliche Abgründe werden enthüllt wie in einer Kriminalgeschichte, was es umso spannender macht, zumal eine solche in jedem von uns leben kann. Und es wahrscheinlich auch tut.

Aber all das kommt ohne den erhobenen Zeigefinger aus, sondern beschränkt sich auf simple Menschlichkeit. Mal spannend, mal erheiternd, mal abgrundtief traurig, aber immer mitreißend.

Ich habe das Buch mit einem lachenden und einem weinenden Auge geschlossen, würde ich sagen, ginge es darum eine halbwegs passende Redewendung zu finden. In Wahrheit aber habe ich mit beiden Augen geheult wie ein Schlosshund, aber irritierenderweise war all die Bestürzung mit einem absurden Anflug von Hoffnung gemischt.

Denn vielleicht, vielleicht wird doch noch alles gut. Irgendwann.

“The Other Hand” ist auf deutsch übrigens (noch?) nicht erschienen. In den USA und in Kanada trägt das Buch den Titel “Little Bee”.

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Lichtschalter im Kopf

Datum: 11.7.2009
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Es ist schon lange her, dass ich zum letzten Mal über ein Buch geschrieben habe. Vielleicht ist es jetzt wieder an der Zeit. Vielleicht.

Lesestoff: Aprilwetter von Thommie Bayer.

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Versäumnis

Datum: 15.10.2008
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Man könnte meinen, ich hätte die letzten drei Monate kein Buch mehr angefasst. Stimmt aber nicht. Hab viele in der Hand gehabt, sogar aufgeschlagen und gelegentlich gelesen… Manche auf deutsch, viele aber auf Englisch, weil ich das Gefühl hatte, bisher viel von der englischsprachigen Grundliteratur versäumt zu haben.

Hemingway, beispielsweise, dem versoffene Chauvinistenschwein, bin ich auf diese Weise zum ersten Mal begegnet. Ein alter Mann zog einen Fisch an Land, der am Ende kein Fisch mehr war. Nobelpreisträchtig.

Richard Adams habe ich kennen gelernt, den manche auch des Antifeminismus bezichtigen, weil die niedlichen Kaninchendamen von den Herren Leporiden als bloße Reproduktionsmaschinen betrachtet wurden. Tragisch.

Mit Jane Austen feierte ich ein kitschtriefendes Wiedersehen, wenngleich von einem Hauch der Arroganz der Emma Woodhouse überschattet, die Elizabeth Bennet niemals aufblitzen ließ. Saccharinsüß.

Ein weiteres grundlegendes Werk, das womöglich das Potential hat, mein Leben um einiges zu bereichern, wartet noch im Regal auf mich: “Burton on Burton”. Mit einem Vorwort von Johnny Depp. Epochal.

Lesen ist schön.

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3x Bücher

Datum: 14.7.2008

Erstens, bin ich wohl der blödeste Mensch aller Zeiten: Der Tod in Venedig wurde wieder aufgefunden. Und zwar – haha – zwischen Maugham und Mankell, statt zwischen Mankell und Márai, wo er hingehört hätte.

Zweitens, diese Postkarte, die ich heute auf PostSecret entdeckt habe, ist einfach herzeigenswert… ;)

Drittens, mit der “Blendung” von Elias Canetti habe ich wohl das am meisten von Misogynie geprägte Buch meines Lebens gelesen. Diese Tatsache ist allein deswegen schon interessant, weil der notorische Fremdgänger Canetti fast jedem seiner Werke die Widmung “Für Veza” – seine Frau – hinzusetzte. (Die, nebenbei bemerkt, zu Gunsten billiger Auftragsarbeiten, die nötig wurden, um das Paar finanziell über Wasser zu halten, und wofür herzugeben sich ihr Mann wiegerte, ihre eigene schriftstellerische Tätigkeit, obwohl vielversprechend, vernachlässigen musste.) Die nicht abzusprechende hohe Qualität des Romans – Canetti erhielt dafür den Literaturnobelpreis – will ich damit natürlich nicht schmälern. Frauenfeindlich ist er trotzdem.

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Überflieger

Datum: 27.6.2008

Man braucht wahrscheinlich einen gewissen Zynismus, generell einerseits, um das Leben einigermaßen unbeschadet zu ertragen, und andererseits, wenn man Bücher von Nick Hornby liest. Beides zusammen kommt in diesem Buch zur Anwendung.

Lesestoff: A Long Way Down von Nick Hornby

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Die Fische und die Enten – das Finale

Datum: 23.6.2008

Was passiert eigentlich mit den Enten im Winter, wenn der See zufriert und alles? Ich meine, mit den Fischen, das ist klar, sie frieren ein, so im Wasser, mitten unter dem Schwimmen quasi, und so bleiben sie den ganzen Winter. Aber weil ihre Poren offen sind, und über die Algen, die ja auch eingefroren sind, nehmen sie ihre Nahrung auf. Völlig logisch, meiner Meinung nach.

Aber was ist mit den Enten?

Ich wünschte, das wäre auf meinem Mist gewachsen, das wünschte ich wirklich. Ist es aber nicht, Tatsache.

Lesestoff: The Catcher in the Rye von J. D. Salinger.

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Harte Schicksale

Datum: 17.6.2008

Okay, okay, ich geb zu, die Titelanspielung war mehr als kläglich. Sorry.

Lesestoff: Kismet von Jakob Arjouni.

Dass dieses Buch nicht unbedingt mit meiner Lesetradition der sanft melancholischen, gleichzeitig traurig-subversiven Klassiker mit vorliebsmäßig offenen Enden einhergeht, war mir schon nach den ersten zehn Seiten klar, in denen zwei Männer mit starken Körperausdünstungen und schweren Waffen in einem Schrank sitze und in weiterer Folge zwei Schutzgelderpresser erschießen.

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Hätte er tatsächlich geschossen?

Datum: 4.6.2008

Mir fällt auf, dass ich in letzter Zeit erstaunlich wenig über meinen ach-so-tollen Lesestoff von mir gegeben habe. Sei es, weil mir nichts dazu einfiel, oder sei es, weil es einfach zu viel war… Dem soll jetzt jedenfalls Abhilfe geschaffen werden.

Lesestoff: Der Untergeher von Thomas Bernhard.

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