Kreative Ergüsse
 

Wie Wasser.

Datum: 5.9.2009
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Eine Kurzgeschichte die ich… vor verflucht langer Zeit geschrieben habe, bald sind es drei Jahre. Wahnsinn, was sich über diese Dauer hinweg alles verändern kann. Und noch viel wahnsinniger ist, was sich alles nicht verändert.

Und nun erstmals zu lesen…

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Everyday Blog,Kreative Ergüsse
 

Marmorbäume, Gedankenlaub

Datum: 27.6.2009
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Es ist sieben Uhr morgens, als ich erwache, aber nicht von dieser Sorte, bei der man in Richtung Uhr blinzelt und sich freut, dass man guten Gewissens noch ein paar Stunden weiterdösen kann. Nein, es ist ein hartes, kaltes Erwachen, ein unwiderrufliches, das einzig den verzweifelten aber nutzlosen Versuch nach sich ziehen kann, sich stundenlang im Bett hin und her zu wälzen, nur um schließlich entnervt aufzugeben und den restlichen Vormittag vor dem Fernseher herumzuhängen.

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Kreative Ergüsse
 

Chronik eines angekündigten Abschieds

Datum: 1.6.2009
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Ich brauche die Liebe im selben Außmaß, wie sie mir schadet.

Zugegeben, ich habe lange gebraucht, um diesen höheren Zusammenhang zu verstehen, aber als mir die Erkenntnis kam, war es wie ein brechender Damm. Die Eindrücke stürzten herab, begruben mich, erdrückten mich, und mitten auf der belebten Brücke, auf der ich stand, kamen mir die Tränen. Ich bin immer noch nicht sicher, ob es Tränen der Erleichterung oder der Verzweiflung waren.

Apathisch lief ich irgenwann weiter, mir war egal, wohin ich ging, solange ich nur ging, es nur ging. Detail für Detail kam mir wieder in den Sinn, wie meine Beziehungen und ich uns gegenseitig manipuliert hatten, um uns beide systematisch zugrunde zu richten. Und jedes Mal hatte es funktioniert, das war das Erschreckende daran. Aber die Frage, die sich immer offensichtlicher stellte, der ich aber mit solcher Penetranz auszuweichen versuchte, dass das Schicksal sich gezwungen sah, mir in die metaphorischen Weichteile zu treten, war auf Dauer unumgänglich.

Ein Blick auf mein Handy – keine Nachricht, kein verpasster Anruf – und ich wusste, dass ich sie mir zu stellen hatte. Durfte ich mich niemals verlieben, um die Chance zu haben, wenn schon nicht glücklich, dann zumindest zufrieden zu sein?

Ich trottete den steinigen Pfad am Fluss entlang, plötzlich von einer unerklärlichen Müdigkeit befallen, meine Augen immer auf die Wellen gerichtet. Fluss, fließen, weiter, weiter, Einsamkeit, wohin? Wortfetzen kreuzten meine Sinne, ohne, dass ich damit etwas hätte anfangen können. Ein morsches Boot, wie ein Sinnbild für mein verpfuschtes Leben; das Wasser, das es trug, aber gleichzeitig die Fäulnis dazu brachte, sich langsam aber sicher durch die splitternden Planken zu fressen.

Irgendwann stand ich wieder auf einer Brücke, und dachte, das müsse der Moment sein, um fliegen zu lernen. Ich stellte es mir als den schönsten Augenblick meines Lebens vor, wenn ich den Wind spüren würde, der mir ins Gesicht bläst, meinen Körper trägt, unter mir die tosenden Wassermassen, der Fluss gesäumt vom frischen Grün der Bäume. Es müsse wundervoll sein, so überlegte ich, nur zu kurz, viel zu kurz.

Ich schloss die Augen, um ein paar gedankenfreie Sekunden lang den Wind zu fühlen. Dann drehte ich mich um und ging.

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Orgasmus im Kopf

Datum: 14.5.2009
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“…und dann war auf einmal alles so oh mein Gott und Farben und schwarz und verschommen und ich dachte das ist es jetzt, das und nichts anderes und möge dieser Augenblick doch ewig dauern und gleichzeitig so, verdammt, ich halt das nicht aus, muss sterben, das ist zu viel, das ganze Sein in einem einzigen Moment, so komprimiert wie ein schwarzes Loch mit unendlicher Dichte und allem, so verstanden hab ich das ja nie, aber dieses Gefühl, dieses Gefühl, Wahnsinn, ich dachte, das muss nah dran sein…”

Höhepunkte gibt es diverse, nicht nur sexueller Natur. Jeder hat da seine eigenen, je nach Interesse, nach Gefühlslage, nach Stimmung. Die Klänge einer Opernarie sollen den einen oder die andere schon durch diverse Stadien der Verzückung getrieben haben, während andere nur ein müdes Kopfschütteln dafür übrig haben. Dieses Bild ist aber ohnehin schon so abgenutzt durch Film und Fernsehen, dass keine formulierungstechnische Politur der Welt es wieder auf Hochglanz bringen könnte.

Also bleiben wir bei dem, was wir kennen. Beispielsweise diese Begebenheiten, in denen man glaubt, die Welt bleibe stehen, weil so viel Perfektion nicht in einen ganz normalen Moment hineinpassen darf. Das kann meinetwegen die bestandene Matura sein, oder dieser eine Moment, wenn man aus einem Flugzeug steigt und sich denkt “Fuck, ich bin wirklich hier!”, oder etwas viel Banaleres, das einfach irgendwie zu etwas Besonderem wird.

Vielleicht ein Konzert, eine Band die man kennt, liebt, möglicherweise sogar vergöttert, und die Leute reden immer von der Stimmung wenn sie davon erzählen, und als jemand, der es nicht gesehen hat denkt man sich dann “Ach leck mich doch mit deiner Stimmung, war die Band jetzt gut oder nicht?” Aber gut ist doch gar kein Ausdruck. Nicht für diesen Moment, in dem tausende Gedanken verschmelzen, zu einem undefinierbaren Großen werden, wenn man abhebt und sich die normalen Konturen der Welt aufzulösen beginnen. Dieses Massenphänomen, das ist der multiple Kopforgasmus.

Eine wichtige Sache die wir daraus lernen ist: Höhepunkte sind etwas, das sich durch Teilung potenziert. (Man beachte das überaus gewagte Wortspiel mit der Potenz…) Soll heißen, man genießt sie am besten gemeinsam.

Und ich, ja, ich habe vor, das bald wieder zu spüren, dieses unglaubliche Gefühl, wenn man den Grund unter den Füßen verliert. Denn er kommt nach Graz. Bald. Und ich werde mich wieder zu alten Höhen aufschwingen, wenn ich, das Fangirl par excellence, Chris Corner singen höre “I need you in the world, my simple girl”.

Nur für mich. Bestimmt.

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Regentag

Datum: 6.4.2009
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Ich will es nicht Kurzgeschichte nennen. Aber es ist kurz und so etwas Ähnliches, wie eine Geschichte, also drängt sich diese Betitelung wohl auf. Es geht ein bisschen um Kunst und ein wenig auch um Regen. Aber irgendwie trifft das die Sache so gar nicht

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Industrial Wasteland

Datum: 4.4.2009
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Ich bin eine Maschine. Jeder Mensch ist eine Maschine, eine biologisch abbaubare und vom Grundprinzip umweltfreundliche Maschine, die ihre Umgebung nur indirekt über weitere Maschinen verpestet. Aber darum geht es jetzt nicht.

Sondern, dass die Ich-Maschine nicht funktioniert.

“Sei das Sandkorn im Getriebe”, damit titelte damals auch schon diese politische Schülerorganisation, der ich angehörte, weil bei den Treffen immer irgendwer Gras dabei hatte. Es war geplant, zu rebellieren; gegen das System, die Politik, diese Welt, in die wir ungefragt hineingeboren wurden.

Aber die Welt war schneller und effizienter, und ich hab den scheiß Sand dann selbst abbekommen. Er ist hartnäckig, macht vor keiner Pore halt, da kannst du das Gesicht in den Händen verbergen so lange du willst. Verstecken ist ohnehin ein schlechte Methode, weil den Kopf in den Sand stecken in diesem speziellen Fall eher kontraproduktiv ausfällt.

Jedenfalls habe ich zu quietschen und knirschen begonnen und bin irgendwann stecken geblieben. In einer verdammten Zeitschleife, kommt mir vor, denn alles andere bewegt sich weiter, schneller, lauter, schmerzhafter, wie Leben im Zeitraffer bei einem alten Videorekorder. Mit hässlichen Spulgeräuschen im Hintergrund, die in den Ohren weh tun.

Nur ich stecke fest. Defekt. Ausgeschlossen aus meinem eigenen Leben. Oder dem, was es einmal war, denn seit man gemerkt hat, dass ich ohnehin nichts mehr damit anfangen kann, haben die anderen begonnen, es für sich zu beanspruchen. Unmerklich zuerst haben sie ihr eigenes Revier Schritt für Schritt ausgebreitet, bis sich die neuen Grenzen irgendwann in der Mitte wieder geschlossen haben.

Auslöschung fast perfekt. Nur ich bin noch da. Noch.

Scheiß Sand. Wenn ich Glück habe, weht der Wind so lange, bis er mich unter sich begräbt, dann muss ich das alles wenigstens nicht mehr mit ansehen.

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Dunkle Wasser

Datum: 24.3.2009
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Angst macht mir nicht die Tiefe, sondern nicht zu wissen, was unter mir ist. Schon spüre ich, wie es an meinen Beinen zerrt, wie meine Arme schwerer werden. Finsternis nicht nur unter, sondern plötzlich auch über mir. Fahles Mondlicht bricht sich in der Wasseroberfläche, die sich durch meine hastiger werdenden Züge kräuselt. Spiegelt sie wirklich nur meine Bewegungen, oder ist da noch etwas anderes?

Die Schwärze unter mir lähmt meine Gedanken, Panik steigt in mir hoch, überfällt mich von alles Seiten. Ich keuche und schlucke Wasser, spucke, huste, verliere die Orientierung. Wohin? Die Finsternis greift nach mir, schon spüre ich, wie sie ihre Klauen ausfährt, um mich zu verschlingen.

Und plötzlich sehe ich dich vor mir. Ein Ziel. Ein Ufer. Ich schließe die Augen, ein Zug mit neuer Kraft und ich merke, wie mein rasender Puls sich wieder beruhigt. Ich bin nicht allein.

Nicht mehr lange, und ich fühle Grund unter meinen Füßen, schleppe mich auf allen Vieren an Land. Falle erschöpft auf den kiesigen Boden, und weiß, dass ich wieder allein bin. Immer war.

Aber ich kenne dein Geheimnis. Deine Angst vor dem dunklen Wasser – und das nimmt mir die meine.

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Exit Music (For A Film)

Datum: 21.3.2009
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“Love?”, schreibt er und meint mich damit. Irritierend. “Ich vermiss dich so sehr, dass es fast körperlich weh tut.”

Der weiß doch nicht mal, was Liebe ist, denke ich, und antworte: “Ich weiß was du meinst…”

Er linkt mir einen Song von Radiohead, der ihn laut eigener Aussage an mich erinnert. Das nehme ich zweifelnd zur Kenntnis, Thom Yorke tendiert normalerweise eher zu neurotischem Weltschmerz als zu Romantik. Außerdem kotzen mich die YouTube-Videos inzwischen ziemlich an.

Der inszeniert sich doch genauso sehr wie ich, denke ich, und google ein Zitat von Thomas Bernhard, das ich ihm als mein umfangreiches Literaturwissen verkaufe, was ihn wiederum zu einer Äußerung der völligen Verzückung motiviert.

Das Ganze ist doch, überlege ich mit einem weiteren flüchtigen Seitengedanken an Bernhard, nur Theater, das wir spielen, weil wir uns beide selbst so gut in unseren Rollen gefallen. Die “star-crossed lovers” aus dem Web, die ihre Liebe auf diese höhere, vergeistigte Ebene gehoben haben, weil ihnen das Schicksal die körperliche Nähe verwehrt.

Bullshit, denke ich.

“Was auch immer passiert, ich könnte dich nie wieder vergessen. Jeden einzelnen Tag meines restlichen Lebens werde ich an dich denken.” Heute übertrifft er sich wieder selbst.

“Darling, du trägst ein bisschen dick auf, das ist dir schon klar, oder?”, äußere ich meine berechtigten Zweifel. Ich will zumindest noch so tun können, als wäre das alles erst gemeint, so verkommt es eher zu einer Schmierenkomödie.

“Wie kannst du mir nur unterstellen, ich würde das nicht ernst meinen? Ich meine jedes Wort!”, ereifert er sich. Ich sehe, wie er beim Tippen mehrmals etwas löscht, bevor er die Nachricht absendet.

Ich danke der Academy, sagte Edward Norton einst in Fight Club und ich weiß jetzt ungefähr, wie er sich dabei gefühlt hat.

Ich stoße ein virtuelles Seufzen aus und sage: “Es ist so hart…”

“Dass wir uns nicht sehen können?”, schlägt er als dramatische Wendung vor.

“Nein. Du hast mir nicht nur Radiohead, sondern auch nun auch noch Edward Norton versaut.”

Logout.

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Medizin

Datum: 15.3.2009
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Mit einer Packung Kekse in der Hand stehe ich in der Ambulanz des Krankenhauses. Bei der Aufnahme sage ich: “Mein Herz ist gebrochen. Können sie mir helfen?”

“Leider nein”, antwortet die die Frau hinter der Glasscheibe. “Da sind sie hier falsch.”

“Aber wo bin ich dann richtig?”, frage ich nach.

Sie lächelt mich an und zuckt mit den Schultern.

“Möchten sie die haben? Ich brauche sie nicht mehr”, sage ich und zeige ihr die unangetastete Schachtel.

Die Glasscheibe trennt unsere Welten. Sie schüttelt den Kopf.

Darauf kann ich nichts mehr erwidern. Jedes Gefühl ist aus meinem Körper gewichen und wie ferngesteuert wende ich mich ab. Bevor ich das Gebäude verlasse, lege ich die Kekse auf einen leeren Rollstuhl, der verloren mitten in der stillen Eingangshalle steht.

Draußen ist es dunkel und der Regen hat wieder eingesetzt. Auf dem Heimweg sind meine Gedanken bei den Keksen und ich wundere mich, ob jemand sich darüber freuen kann. Wenn es soweit ist, glaube ich, wird auch mein Herz anfangen zu heilen.

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Die Schatten und das Nichts

Datum: 14.3.2009
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Und dann, wenn die Welt übergeht, werden aus den schäumenden, tosenden Massen körperlose Gestalten aufsteigen, schattenhaft wie das Echo verlorener Erinnerungen. Vor ihren starren, leuchtenden Augen wird nichts verborgen bleiben, kein Gedanke, keine Idee, und daran werden sie sich laben, sie aufsaugen als ihr einziges Lebenselexier. Verkümmern werden wir und vertrocknen, gierend, geifernd nach unserer geistigen Nahrung, aber alles wird schwinden, wenn die Schatten und das Nichts sich unaufhaltsam ausbreiten.

Ödnis und Leere werden ihr Königreich sein, unsere welken Körper ihr Thron.

Der Hauch des Schweigens wird wie ein letzter, geseufzter Atemzug über das blasen, was einmal unsere Welt war, bevor auch er müde erlischt, und niemand mehr gegen das Regiment der Schatten steht.

Aber bis sie auch den Himmel in Besitz nehmen, wird es noch lange dauern.

*

(Melodrama, Baby!)

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