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		<title>Die Antwort auf alles, nur rückwärts.</title>
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		<pubDate>Thu, 15 Apr 2010 22:23:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Moppelkatze</dc:creator>
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		<description><![CDATA[(24, für die, die Douglas Adams nicht ausreichend studiert haben.) Inzwischen habe ich schon so lange nichts mehr hier geschrieben, dass der Browser schon mein Passwort vergessen hat. Aber wenn ich behaupte, die Zeit verfliegt und kriecht gleichermaßen langsam dahin, dann ist das zwar verhältnismäßig abgedroschen, aber dennoch trifft es den Kern der Sache verhältnismäßig [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>(24, für die, die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/42_%28Antwort%29">Douglas Adams</a> nicht ausreichend studiert haben.)</p>
<p>Inzwischen habe ich schon so lange nichts mehr hier geschrieben, dass der Browser schon mein Passwort vergessen hat. Aber wenn ich behaupte, die Zeit verfliegt und kriecht gleichermaßen langsam dahin, dann ist das zwar verhältnismäßig abgedroschen, aber dennoch trifft es den Kern der Sache verhältnismäßig gut. Dass die Zeit relativ ist, hat wohl Einstein gesagt, und ich habe es im physikalischen Sinne nie so ganz verstanden. Und, wo wir schon beim Thema sind, inzwischen bin ich wohl auch zu alt, um es noch zu lernen.</p>
<p>Anfang dieser Woche war ich noch hauptsächlich damit beschäftigt, darüber zu jammern, dass ich jetzt endgültig irgendeinen abstrakten Zenit überschritten hätte, der sich eigentlich nur auf eine dubiose Umfrage zurückführen ließ, laut derer 23-jährige Frauen in Web-Partnerbörsen die meisten Zuschriften bekämen. Mir geht es nicht um die Online-Brautschau, vielen Dank, auch nicht um geistige Höhepunkte, die man laut Biologie-Buch, AHS 7. Klasse, schon mit 21 erklommen und inzwischen weit hinter sich zurück gelassen hat, sondern um -</p>
<p>Betrachten wir es so: Anfang zwanzig hat man Träume. Mitte zwanzig Ziele.</p>
<p>Oder irre ich mich?</p>
<p>Jene Leute die ich kenne, in diesem unbestimmbaren Alter, das irgendwo mit Studienabbruch anfängt und mit etwa 30 aufhört, sind ähnlich plan- und orientierungslos wie ich. Wahrscheinlich ist es das, was uns verbindet &#8211; wir krebsen in unserem Leben herum und wissen nicht, ob wir glücklich oder unglücklich sein sollen. &#8220;Krebsen&#8221; deshalb, weil die <a title="mein neuer desktop" href="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/b/b8/Uca_pugilator_and_hole_crop.jpg"><em>Crustacea</em></a> sich seitwärts bewegen, anstatt nach vorne. Aber so ist das im Leben, es gibt Gewinner und es gibt Verlierer. Und solche, die vom Bus überfahren werden.</p>
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		<title>Passiv aggressiv</title>
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		<pubDate>Mon, 23 Nov 2009 20:02:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Moppelkatze</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Zu spät für betitelten Blogeintrag, alles längst verraucht. Teils sogar wörtlich. Manchmal will man etwas so sehr, dass man es gar nicht merkt, wenn man eigentlich etwas anderes noch viel mehr will. Oder jemanden. Einen Keks etwa. Oder so.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Zu spät für betitelten Blogeintrag, alles längst verraucht. Teils sogar wörtlich. Manchmal will man etwas so sehr, dass man es gar nicht merkt, wenn man eigentlich etwas anderes noch viel mehr will. Oder jemanden.</p>
<p>Einen Keks etwa. Oder so.</p>
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		<title>Opium fürs Volk</title>
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		<pubDate>Sun, 15 Nov 2009 11:51:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Moppelkatze</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Es war die kleinste der vier Messehallen, in der sich schließlich Besucher, Verlage, Autoren, und solche, die eines davon waren aber lieber ein anderes wären, unter allzu gesitteten Umständen begegneten. Weil ich David Schalko, den zu heiraten ich gedacht hatte, um grob geschätzte 15 Minuten verpasste, grollte ich zunächst in erster Linie dem Schicksal, und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es war die kleinste der vier Messehallen, in der sich schließlich Besucher, Verlage, Autoren, und solche, die eines davon waren aber lieber ein anderes wären, unter allzu gesitteten Umständen begegneten. Weil ich David Schalko, den zu heiraten ich gedacht hatte, um grob geschätzte 15 Minuten verpasste, grollte ich zunächst in erster Linie dem Schicksal, und fragte mich, ob nun der neu erworbene Wintermantel (daher die Verspätung) oder meine Verbindung mit David Schalko, die unserer Begegnung unweigerlich gefolgt wäre, länger die Zeit überdauert hätte. Aber schließlich blieb mir kaum etwas anderes übrig, als über diese unglückliche Verkettung der Umstände hinweg zu sehen, indem ich tief den Atem tausender Bücher in mich einsaugte und einen Moment die Augen schloss, um zu realisieren, wo ich war. Auf der Wiener Buchmesse.</p>
<p><span id="more-587"></span></p>
<p>Trotzdem lungerte ich noch eine gute halbe Stunde am Stand des Czernin-Verlages herum, um vielleicht doch noch einen Blick auf David Schalko zu erhaschen, von dem ich eigentlich nur wusste, dass er dunkle Haare hat und eine Brille trägt, was auf rund ein Viertel des männlichen Publikums zuzutreffen schien, weswegen ich permanent bedeutungslosen Fremden lüsterne Blicke hinterher warf, weil es ja theoretisch auch einmal den Richtigen treffen könnte, der davon aber ebenso umbeeindruckt geblieben wäre, wie all die anderen, die sie ebenso nicht zur Kenntnis nahmen.</p>
<p>Der Czernin-Stand war einer der größeren; weitläufiger noch als der des Suhrkamp- oder des S.Fischer-Verlages, was mich doch überraschte, und mit jeweils zwei oder drei mit Namensschildchen etikettierten Trabanten bestückt, die entweder dezent die präsentierten Bücher zurechtrückten oder auf Klapphockern um eines jener immer zu niedrigen runden Tischchen saßen und intellektuelle Dinge diskutierten. Auf dem Tisch stand ein Macbook, und mit einem Anflug von Genugtuung stellte ich fest, dass es ein älteres Modell war als mein eigenes. Bei Bedarf, nahm ich an, hätte einer der Etikettierten darin eine Liste von Publikationen aufrufen können, Dinge nachschlagen, die jemand vielleicht hätte wissen wollen. Tatsächlich stand besagtes Macbook aber einfach nur herum und starrte mit seinem einzelnen apfelförmigen Auge friedlich vor sich hin. Das lag wohl daran, dass das Buchmessen-Publikum generell ein sehr zurückhaltendes war. Als Betreuer eines Standes musste man generell nicht viel mehr tun, als sich dezent im Hintergrund zu halten und niemanden von der Seite anzusprechen, beziehungsweise aufs angesprochen werden soweit möglich ohne hektische Bewegungen und entsetze Ausrufe zu reagieren.</p>
<p>Schon die im prinzip einfach zu beantwortende Frage „Möchten Sie eine Tasse Tee?“ vermochte den eben noch in den Anblick von einem Regal voller Glück (entspricht vielen ungelesenen Büchern) Versunkenen &#8211; sprich: mich &#8211; völlig aus dem Konzept bringen. Statt der logischen Antwort („Nein, danke.“) begann ich mich hektisch umzusehen, bis mein Blick schließlich an dem seriös aussehenden Herren mit dem Namensschild, das ohnehin viel zu klein ist, als dass man es hätte lesen können, hängen blieb, der so verstörend freundlich war, dass ich zu stottern begann und schließlich die Frage bejahte. Wenigstens blieb ich in jener Hinsicht konsequent, als dass ich mich auch weiterhin zielgerecht in den Schlamassel steuerte, indem ich auch die Präzisierung, ob denn nun lieber starken oder schwachen Tee, falsch beantwortete, und aus purem Masochismus heraus nach starkem verlange. Der Tee entpuppte sich als <em>so</em> stark, dass er nur in winzigen Schlucken zu sich genommen werden konnte, gleich einem Eintauchen der Zunge in die Flüssigkeit, dann einer halben Minute in der man Spucke im Mund sammelt, um das Gebräu damit zu verdünnen, und anschließendem Herunterwürgen, nach dem sich die Kehle so trocken anfühlt, als hätte man einen leeren Kaffeefilter geschluckt. Nun war ich also gefangen, mit meiner suppenschüsselgroßen Teetasse in der einen, der kiloschweren Papiertüte voller Messesouvenirs in der anderen Hand, und musste entsetzt feststellen, dass man mich soeben in die Falle gelockt hatte. Zu spät bemerke ich das verräterische Banner „Manuskripte willkommen“ oder etwas Sinngemäßes, das für gewöhlich jene Verlage mit den zweifelhaftesten Titeln, den unbalanciertesten Covers und dem schlechtesten Satz vor allen anderen auszeichnete. Aber jetzt hatte ich eine Teetasse in der Hand, keine Chance sie irgendwo abzustellen bevor ich nicht ausgetrunken hatte, und die Aussicht auf Flucht schon von Anfang an verloren.<br />
Und deswegen sollte man es unterlassen, die Besucher eine Buchmesse einfach so anzusprechen. Das macht ein schlechtes Bild.</p>
<p>Zur Beruhigung wartete ich anschließend noch ein bisschen auf Schalko, was mir mit der Zeit immer mehr wie Warten auf Godot erschien, und begann mich zu fragen, ob er nicht jener Unetikettierte um die 40 war, der wie ich permanent bei Czernin herumlungerte, aber, im krassen Gegensatz zu mir, beachtet wurde und irgendwie wichtig zu sein schien. Ich beschloss mein Bedürfnis ihn zu heiraten noch einmal zu überdenken.</p>
<p>Später hörte ich eine Lesung von Tex Rubinowitz, von dem ich immer schon gewusst hatte, dass wir auf keinen Fall ein eheliches Verhältnis eingehen würden, was zur Abwechslung sehr klar und zielgerecht verlief. Anschließend holte ich mir eine Widmung und einen gemalten Vogel in ein eigens zu diesem Zweck erstandenes Buch, weil es selbst mir komisch vorgekommen wäre, ihn eine Widmung in einen Roman eines anderen schreiben zu lassen.</p>
<p>Die Zeit verging schnell, obwohl objektiv gesehen ohne Füllung, oder zumindest ohne <em>materielle </em>Füllung, denn lungern, schlendern, lesen, hören, wundern, das war alles eher nebulös, bestenfalls so substantiell wie ein Soufflee. Köstlich, aber instabil. Und erst, wenn man von diesem Trip aus süßer Verzückung wieder im grauen U-Bahnschacht ankam und sich ohne Vorwarnung auf dem Nachhauseweg befand, merkte man, wie süchtig man nach dieser Droge war. Die Bücher sind Opium fürs Volk, und könnte man sie durch zerstäuben und inhalieren in sich aufnehmen, so wäre ich schon längst unter die Literatur-Kokser gegangen.</p>
<p>Es ist ein schönes Bild, wie jemand sich voller Hingabe eine Zeile Buchstaben in die Nase zieht.</p>
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		<title>Im Delirium</title>
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		<pubDate>Sat, 24 Oct 2009 10:20:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Moppelkatze</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Also, Dr. W., eines müsste ich dann doch noch loswerden. Zu meiner Verteidigung: ich bin schlagfertiger, wenn ich mich nicht gerade vor Schmerzen krümme, weniger weinerlich, wenn ich nicht nackt auf einem OP-Tisch liege (scheiß Gefühl, ganz ehrlich), und weniger schwachsinnig, wenn ich nicht gerade zwei Minuten zuvor aus der Narkose aufgewacht bin. Ich appelliere [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Also, Dr. W., eines müsste ich dann doch noch loswerden. Zu meiner Verteidigung: ich bin schlagfertiger, wenn ich mich nicht gerade vor Schmerzen krümme, weniger weinerlich, wenn ich nicht nackt auf einem OP-Tisch liege (scheiß Gefühl, ganz ehrlich), und weniger schwachsinnig, wenn ich nicht gerade zwei Minuten zuvor aus der Narkose aufgewacht bin.</p>
<p>Ich appelliere an Sie als Anästhesist, das nachzuvollziehen. Immerhin die missverstandeste Gattung von Ärzten, die uns Film und Fernsehen so präsentieren. In diversen Serien á la ER oder Grey&#8217;s Anatomy steigen die Anästhesisten nie besonders gut aus. Es sind diejenigen, mit der am wenigsten spektakulären, medial trasportierbaren Rolle, die nur daneben sitzen und Monitore überwachen, während andere für Action zuständig sind. Wenn es einen gibt, der Alkoholiker oder medikamentenabhängig ist, dann ist es der Anästhesist. (Dass es in Wahrheit anders aussieht spiegelt sich, glaube ich, allein schon an der guten Bezahlung wieder.)</p>
<p>Dank Ihnen weiß ich es jetzt besser. Ich meine, um über Möglichkeit diverser Suchtkrankheiten urteilen zu können, kenne ich Sie natürlich nicht gut genug, aber verdammt, wenn es einen McDreamy in diesem OP gab, dann waren Sie das.</p>
<p>Aber ganz ehrlich, die Nummer mit dem iPhone nach dem Aufwachen war jetzt auch nicht ganz der Bringer, oder? Ich war a) im Delirium, hatte b) keine Stimme (die kam, nebenbei bemerkt, erst 2 Tage später ganz wieder &#8211; ich kam mir vor wie Arielle), und c) war das verflucht noch mal der <em>einzige</em> Satz, den ich auf kroatisch kann, weil ich erst lächerliche 4 Unterrichtsblöcke hatte! Normalerweise teile ich Fremden (McSonstwie hin oder her, das tut nichts zur Sache) <em>nicht</em> ohne Aufforderung mit, dass neben dem Lautsprecher eine Katze sitzt. Nein.</p>
<p>Und zu sagen &#8220;Ach, die jungen Mädchen!&#8221; und dabei melodramatisch den Kopf zu schütteln, das fand ich jetzt auch nicht so ganz okay. Zumal ich bemerken muss &#8211; wann haben Sie zuletzt in den Spiegel gesehen? Sie sehen nicht älter aus als 25, insofern ist solch eine Bemerkung einer 23-jährigen gegenüber äußerst unpassend. Besonders wenn Besagte gerade kurz davor ist, ausgeweidet zu werden und deswegen einen Nervenzusammenbruch bekommt.</p>
<p>Ja, das weiß ich alles noch. Auch, dass der Sauerstoff nach Pfefferminz geschmeckt hat. Das wollte ich Ihnen noch sagen, Dr. W., aber dazu gab es keine Gelegenheit mehr.</p>
<p>Trotz allem: bis auf den erlösenden Satz &#8220;Sie dürfen heute nachhause&#8221; war jedes Wort, das über Ihre Lippen kam, das Beste, was ich in diesem Krankenhaus gehört habe. Naja, &#8220;Erbrochenes könnte in Ihre Lunge gelangen und Sie würden sterben&#8221; lassen wir dabei besser außen vor. So ganz unter uns.</p>
<p>Danke jedenfalls, Dr. W., Sie waren der beste Anästhesist, den ich je hatte. (Und der einzige.) Hätte bei Gelegenheit nichts gegen einen schlechten Kaffee aus dem Automaten mit Ihnen gehabt. (Am zweiten postoperativen Tag, als ich wieder Kaffee trinken durfte&#8230;) Auch, wenn ich Ihnen eines nicht verzeihen kann: <a title="The Official Muse YouTube Channel" href="http://www.youtube.com/user/muse?blend=1&amp;ob=4" target="_blank">Muse</a> müsste man dann doch kennen&#8230;</p>
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		<title>Doch, es gibt dumme Fragen&#8230;</title>
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		<pubDate>Sat, 17 Oct 2009 11:38:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Moppelkatze</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Telefonieren ist etwas, das viele Menschen zum Spaß tun, oder dann doch zumindest aus einer gewissen Zweckmäßigkeit heraus. Den Glauben an beides verliert man irgendwann, wenn man nur lang genug in einem Callcenter (und da ist es wahrscheinlich egal, in welchem) gearbeitet hat. Okay, eigentlich reicht für die Zerstörung jeglicher Illusionen schon eine einzige Woche. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Telefonieren ist etwas, das viele Menschen zum Spaß tun, oder dann doch zumindest aus einer gewissen Zweckmäßigkeit heraus. Den Glauben an beides verliert man irgendwann, wenn man nur lang genug in einem Callcenter (und da ist es wahrscheinlich egal, in welchem) gearbeitet hat. Okay, eigentlich reicht für die Zerstörung jeglicher Illusionen schon eine einzige Woche. Oder ein Tag, wenn&#8217;s ein schlechter ist.</p>
<p>Es ist noch nicht allzu lange her, dass ich eine ausgedehnte Diskussion mit einer Frau führte, die standhaft behauptete, wir müssten für die Reparatur ihres Fernsehers aufkommen.</p>
<blockquote><p>&#8220;Haben sie denn da noch Garantie drauf?&#8221;<br />
&#8220;Das weiß ich doch nicht!&#8221; (Sie sagte das so entrüstet, als hätte ich sie gerade nach dem aktuellen Programm im Pornokino gefragt.)<br />
&#8220;Na wann haben sie ihn denn gekauft?&#8221;<br />
&#8220;So vor sieben, acht Jahren&#8230;&#8221;<br />
&#8220;Vor <em>acht</em> Jahren!?!&#8221;<br />
&#8220;Ja, warum?&#8221;<br />
&#8220;Selbst die verlängerte Garantiezeit ginge höchstens über fünf. Da brauchen Sie die Reparatur nicht über uns laufen lassen, das können&#8217;S dann bei jedem Elektriker machen lassen.&#8221;<br />
&#8220;Ja und die Rechnung schick ich Ihnen dann?&#8221;<br />
&#8220;Nein, die übernehmen wir nicht mehr. Dafür ist die Garantiezeit ja da, während der wird sowas abgedeckt, danach nicht mehr.&#8221;<br />
&#8220;Also nein, das kann jetzt aber nicht stimmen. Dann kann man ja sonst gar nichts mehr bei Ihnen kaufen, das müssen schon Sie bezahlen!&#8221;<br />
&#8220;&#8230;&#8221;</p></blockquote>
<p>Tatsächlich ging das so noch ein paar Minuten hin und her, und endete damit, dass ich die gute Frau nach &#8220;oben&#8221; weiter verband, damit ihr das jemand mit mehr Geduld vermitteln konnte. (Das ominöse &#8220;Oben&#8221; ist bei uns, wo quasi Gott sitzt. Sprich, die Rechnungsabteilung.)</p>
<p>Ganz wundervoll, wenn auch weniger wortreich, war auch fogendes Gespräch:</p>
<blockquote><p>&#8220;Was muss ich machen, wenn ich eine neue Frau kennengelernt habe?&#8221;<br />
&#8220;Eh, ihr einen Ring kaufen?&#8221;</p></blockquote>
<p>Es stellte sich letzten Endes heraus, der gute Mann wollte bloß eine Freundschaftswerbung machen, um einen Staubsauger dafür zu bekommen.</p>
<p>Logische Aussetzer passieren jedem über kurz oder lang. Wir müssen generell nicht so lange darauf warten.</p>
<blockquote><p>&#8220;Haben sie auch Altgerätentsorgung?&#8221;<br />
&#8220;Ja, kostet 24 €.&#8221;<br />
&#8220;Das scheint mir aber etwas teuer. Ich dachte, das wäre kostenlos.&#8221;<br />
&#8220;Die Entsorgung an sich ist kostenlos, die 24 € werden für den Transport von der Spedition berechnet.&#8221; (Das <em>müssen</em> wir sagen.)<br />
&#8220;Wie, Spedition?&#8221;<br />
&#8220;Na der Postler nimmt kaum a alte Waschmaschine in seinem Wagerl mit.&#8221; (Obwohl ich vermute, offene Ironie ist uns aus berufsetischen Gründen verboten. Schande über mich.)<br />
&#8220;Es geht ja nicht um eine Waschmaschine.&#8221;<br />
&#8220;War ja nur ein Beispiel. Worum gehts denn?&#8221;<br />
&#8220;Um einen Rasierer.&#8221;<br />
&#8220;&#8230;&#8221;</p></blockquote>
<p>Er meinte das <em>ernst</em>.</p>
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		<title>Flugbahnen</title>
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		<pubDate>Sun, 11 Oct 2009 09:13:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Moppelkatze</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Zeit verfliegt. Nicht wörtlich, so als würden ihr plötzlich Flügel wachsen und sie sich von einem Mauervorsprung stürzen, kurz ins Trudeln geraten, dann aber ihre Schwingen auf majestätische Weite ausbreiten und sich von der Luft tragen lassen, gleiten, als würde sie von unsichtbaren Fäden gehalten, wie eine fliegende Untertasse in einem Ed-Wood-Film. Nicht ganz. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Zeit verfliegt. Nicht wörtlich, so als würden ihr plötzlich Flügel wachsen und sie sich von einem Mauervorsprung stürzen, kurz ins Trudeln geraten, dann aber ihre Schwingen auf majestätische Weite ausbreiten und sich von der Luft tragen lassen, gleiten, als würde sie von unsichtbaren Fäden gehalten, wie eine fliegende Untertasse in einem Ed-Wood-Film.</p>
<p>Nicht ganz.</p>
<p>Sie ist einfach nur so aufgefüllt &#8211; vollgestopft, geradezu &#8211; und um wieder ein Bild zu verwenden, muss ich dabei an den Wolf denken, dem die sieben Geißlein nach ihrer heroischen Rettung durch den Jäger (den ich immer schon für den eigentlichen Bösewicht der Geschichte hielt) Steinbrocken in den Bauch füllen. Ungefähr so wie dieser Wolf fühlt meine Zeit sich an. Und wenn sie sich zu tief über einen Brunnen beugt, dann fällt sie hinein und verschwindet auf Nimmerwiedersehen.</p>
<p>Vielleicht auch ein Grund, warum ich mich schon so lange nicht mehr auf einer Brücke aufgehalten habe.</p>
<p>Ich bin nicht sicher, worauf ich mit all dem eigentlich hinaus will. Man sollte doch annehmen, so eine Meinungsäußerung sollte irgendein Ziel haben, ein Schlussargument vortragen, einen abschließenden Witz, in dem all das vorher gesagte kulminiert. Nichts da. Aber immerhin befinden wir uns im Zeitalter der sinnlosen Meinungsäußerung ins Leere (vgl. <a title="Trouble with Twitters" href="http://www.youtube.com/watch?v=PN2HAroA12w&amp;feature=player_embedded">Trouble with Twitters</a>), und wer die Muße hat, sich aus all jenem eine gehaltvolle Information zu basteln, dem sei an dieser Stelle gleichermaßen gratuliert und kondoliert.</p>
<p>Diese Radiowerbung für irgendeinen Mobilfunkanbieter, die seit neuestem kursiert, spiegelt diesbezüglich erstaunlich gut den Zeitgeist wieder:<br />
&#8220;Ich hab letztens Marmelade gegessen, die war von 1970 &#8211; war nicht mehr gut.&#8221;<br />
&#8220;Und warum erzählst mir das?&#8221;<br />
&#8220;Weil&#8217;s nichts kostet.&#8221;</p>
<p>Und da wären wir auch schon am Ende. Aus dem jeder schließen kann, was er will, sei es nun &#8220;Warum kommunizieren wir über Twitter mit vielen Fremden über die Tastatur, anstatt mit einem besonderen Menschen über den Rand eines Glases Rotwein?&#8221; oder &#8220;Gerade wo doch Zeit so ein knappes Gut ist, sollten wir sie so effizient wie möglich nutzen, indem wir in kurzer zeit möchlichst <em>viele</em> Leute ansprechen.&#8221; oder &#8220;Jetzt drückst du dich schon <em>wieder</em> seit einer halben Stunde vorm Lernen, was ist eigentlich los mit dir?&#8221;</p>
<p>Oder&#8230;</p>
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		<title>Gemeinsam einsam.</title>
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		<pubDate>Sun, 13 Sep 2009 16:25:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Moppelkatze</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bücher]]></category>
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		<description><![CDATA[Lesestoff: Die Einsamkeit der Primzahlen von Paolo Giordano Primzahlzwillinge, das sind zwei Primzahlen, die nur durch eine einzige dazwischenliegende Zahl getrennt werden. Sie kommen nicht sehr häufig vor, und je weiter man zählt, desto seltener werden sie. Aber immer dann, wenn man schon denkt, es gäbe keine weiteren mehr, findet man doch noch ein solch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://moppelkatze.com/wp-content/die-einsamkeit-der-primzahlen.jpg"><img class="alignnone size-medium wp-image-555" title="die einsamkeit der primzahlen" src="http://moppelkatze.com/wp-content/die-einsamkeit-der-primzahlen-188x300.jpg" alt="die einsamkeit der primzahlen" width="132" height="210" /></a> Lesestoff: <strong>Die Einsamkeit der Primzahlen</strong> von Paolo Giordano</p>
<p>Primzahlzwillinge, das sind zwei Primzahlen, die nur durch eine einzige dazwischenliegende Zahl getrennt werden. Sie kommen nicht sehr häufig vor, und je weiter man zählt, desto seltener werden sie. Aber immer dann, wenn man schon denkt, es gäbe keine weiteren mehr, findet man doch noch ein solch seltsames Paar. Schicksalhaft vielleicht. Sich so nahe, und doch auf ewig von ihrem Gegenstück getrennt.</p>
<p>Mattia hat eine Schwäche für Primzahlen. Und er und Alice, findet er, sind wie Primzahlzwillinge, die sich gegenseitig näher sind als allen anderen, sich aber nie ganz erreichen werden. Sie kennen sich seit ihrer Schulzeit, teilen so viel und doch so wenig, jeder mit seiner eigenen Bürde belastet, die er seit seiner Kindheit mit sich herumträgt. Ein einziger Tag war es, der jedes dieser beiden Leben auf immer verändert hat. Ihnen vielleicht für immer die Chance genommen hat, glücklich zu werden. Vielleicht haben sie das aber auch selbst getan.</p>
<p>Es ist wieder eines dieser Bücher, die man nicht mehr aus der Hand legen kann, wenn man sie einmal aufgeschlagen hat. Von denen man sich wünscht, sie mögen niemals enden. Deren Protagonisten man nicht zu trösten versuchen würde, sondern sich einfach still neben sie setzen und nur eine zeitlang in die selbe Richtung mit ihnen blicken.</p>
<p>Genau das würde ich tun.</p>
<p><a href="http://www.amazon.de/Die-Einsamkeit-Primzahlen-Paolo-Giordano/dp/3896673971/ref=sr_1_1?ie=UTF8&amp;s=books&amp;qid=1252858927&amp;sr=1-1">» Die Einsamkeit der Primzahlen auf Amazon.de</a></p>
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		<title>Wie Wasser.</title>
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		<pubDate>Sat, 05 Sep 2009 17:08:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Moppelkatze</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kreative Ergüsse]]></category>
		<category><![CDATA[liebe]]></category>
		<category><![CDATA[melodrama]]></category>
		<category><![CDATA[wasser]]></category>

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		<description><![CDATA[Eine Kurzgeschichte die ich&#8230; vor verflucht langer Zeit geschrieben habe, bald sind es drei Jahre. Wahnsinn, was sich über diese Dauer hinweg alles verändern kann. Und noch viel wahnsinniger ist, was sich alles nicht verändert. Und nun erstmals zu lesen&#8230; _____________________ Wie Wasser. Schon immer wollte ich in einer Stadt mit einem Fluss wohnen. Kein [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Eine Kurzgeschichte die ich&#8230; vor verflucht langer Zeit geschrieben habe, bald sind es drei Jahre. Wahnsinn, was sich über diese Dauer hinweg alles verändern kann. Und noch viel wahnsinniger ist, was sich alles nicht verändert.</p>
<p>Und nun erstmals zu lesen&#8230;</p>
<p><span id="more-542"></span></p>
<p style="text-align: center;">_____________________</p>
<p><strong><em>Wie Wasser.</em></strong></p>
<p>Schon immer wollte ich in einer Stadt mit einem Fluss wohnen. Kein trübes Rinnsal voller Schlamm und Algen, sondern ein richtiger Fluss: groß, imposant, reißend; ein Zeichen für Energie und Entfaltung, voller Optimismus, den ich selbst nie aufbringen kann. Deswegen vielleicht diese Affinität zu Flüssen, als Ausgleich, als fließende und sich  selbst erneuernde Entschuldigung für meinen eigenen Mangel an Tatkraft. Wasser als ein Symbol für Leben und Idealismus, fast wie die berauschende Droge einer überbordenden Emotion – es ist nicht greifbar, immer in Bewegung, es  hält dich am Leben, und kann dich auch ohne Weiteres umbringen.</p>
<p>Vom Ertrinken bin ich momentan allerdings weit entfernt, treibe vielmehr orientierungslos in der Menschenmenge dahin. Ärger mit dem Freund, irgendsowas muss es sein, ich kann mich nicht erinnern. Ich stehe mitten auf der Tanzfläche, obwohl es mich eigentlich wundert, dass ich noch stehen kann, geschweige denn tanzen, was mich allerdings nicht davon abhält, es zu tun. So lange, bis mir die Luft ausgeht, die Füße schmerzen, der Schweiß klebrig meine Haut überzieht und mein Make-up verlaufen lässt. Salzig schmecke ich ihn auf meiner Oberlippe, was mich einen Moment lang an Meer und Strand und brennende Sonne erinnert, und ich vergesse kurz die stickige Luft, die träge im Rhythmus der Musik wogenden Leiber und den dumpfen Bass, der in mir vibriert.</p>
<p>Ich weiß nicht, warum mein Blick ausgerechnet an deinem Gesicht hängen bleibt.</p>
<p>Es ist wie jedes andere, schwimmt undeutlich in der anonymen Masse aus Farben und Formen an mir vorbei und sticht trotzdem irgendwie heraus. Wahrscheinlich weil du rauchst, denke ich, und gehe ohne zu überlegen zu dir, um dich um eine Zigarette zu bitten, die du mir kommentarlos in die Hand drückst. Also ziehe ich mit einem Achselzucken wieder ab. Zu viel Alkohol, um noch enttäuscht sein zu können, oder auch nur einen Gedanken mehr an dich zu verschwenden. Trotzdem muss da etwas sein, das ich nicht ausmachen kann, was aber meinen Blick immer wieder in deine Richtung driften lässt.</p>
<p>Nicht außergewöhnlich, aber doch immer noch das Beste, was auf dieser erbärmlichen Party zu finden ist. Nicht ganz das, was ich suche, denke ich, und merke gar nicht, dass ich bisher nicht einmal auf der Suche war. Wozu auch etwas suchen, wo doch nichts in meinem Leben den geringsten Anlass dazu gibt, mich zu beschweren. Das einzige, was ich will, ersehne, ist vergessen. Alles, was mich hier her getrieben hat, bis an diesen Punkt, an dem ich nicht mehr entscheiden kann, ob ich noch etwas wünschen kann oder nicht, nur vergessen. Deswegen zögere ich auch keine Sekunde, als dein Freund mich schließlich anspricht: Hey, der David da drüben, er ist zwar ein bisschen schüchtern, aber―<br />
Ich lasse ihn nicht einmal ausreden und mache schon zwei entschlossene Schritte auf dich zu. Hallo, David&#8230;</p>
<p>Ich bin immer noch betrunken, schütte dazu dein Bier in mich hinein, um den Alkoholpegel zu halten und nicht darüber nachdenken zu müssen, was ich hier eigentlich mache. Und warum. Die Unterhaltung will nicht so recht in Gang kommen und stockt immer wieder, mein Gehirn streikt. Ich habe das Gefühl, verdursten zu müssen, und weiß dabei nicht einmal, was ich eigentlich brauche. Zuwendung, mehr Alkohol, Wasser&#8230; Beim Thema Musik kommt endlich so etwas wie ein Gesprächsfluss zustande, immerhin etwas, und am Ende lasse ich mich doch von dir küssen. Meine Zunge ist schwer und der Mund fürchterlich trocken, ich trinke einen Schluck Bier nach.</p>
<p>Warum ich schließlich mit dir nachhause fahre, weiß ich nicht.</p>
<p>Plötzlich sitze ich auf der Rückbank eines Taxis, viel zu müde, um dem Verlauf deines Gespräches mit dem Fahrer zu folgen. Die Lichter der Nacht ziehen am Fenster vorbei, betrunkene, lachende, müde, lebendige Gestalten, von denen jede einzelne ihre eigene Geschichte hat, die mir vollkommen belanglos vorkommt. Ich lehne die Stirn gegen die kalte Fensterscheibe und warte, bis das Taxi mit einem Ruck zum Stehen kommt. Du zahlst und steigst aus und ich folge dir wie im Traum, ohne zu sehen, wohin ich eigentlich gehe. Dein Zimmer wirkt abweisend auf mich, unfertig, und allem haftet ein seltsamer Geruch an, den ich nicht zuordnen kann. Dein Geruch? Wir trinken Tee und rauchen und du spielst mir Musik vor, während ich versuche, mir nicht anmerken zu lassen, wie betrunken ich wirklich bin. Hier, wo ich am Boden sitze, an den Pfosten deines Hochbettes gelehnt, und kalte, feuchte Luft durch das geöffnete Fenster hereindringt und mir ins Gesicht schlägt, beginne ich langsam, die Situation zu realisieren.</p>
<p>Aber ich weiß nicht, was ich davon halten soll.</p>
<p>Schließlich gehen wir schlafen, ich klettere nach dir auf das schwankende Hochbett, dem ich nicht ganz traue, es erinnert mich zu sehr an ein kleines, verlorenes Schiff auf hoher See. Die kurze Episode der körperlichen Nähe findet ein abruptes Ende, weil wir beide von einer Sekunde auf die andere einschlafen. Wie vom Blitz getroffen. Oder vielleicht doch wie weggeschwemmt.</p>
<p>Wenige Stunden später wache ich auf, weil der Wecker meines Handys klingelt, ich muss auf die Uni. Ich stoße mit dem Kopf gegen die Decke, die viel zu niedrig ist, und klettere ungeschickt aus dem Bett. Du schläfst weiter, bemerkst nicht, wie ich mich in meine Hose zwänge und unter leisen Flüchen meine Sachen zusammenpacke. Pulsierende Kopfschmerzen lähmen jeden Gedanken, wo war noch einmal das Bad? Ich will mich leise davonstehlen, als wäre nie etwas passiert, habe den Türknauf schon in der Hand―<br />
Das Schicksal ist gegen mich, würde ich sagen, wenn ich daran glauben könnte. Was machst du, komm wieder ins Bett, murmelst du undeutlich in dein Kissen und ich folge brav wie ein reumütiges Kind. Fluchtversuch zwecklos, ich bin auf einer Insel ohne Rettungsboot gelandet. Ich schaffe es nicht auf die Uni, bleibe liegen, fliege aus dem Kurs. War sowieso langweilig. Ich schlafe wieder ein, dein warmer, weicher Körper neben mir, so ungewohnt und doch passt er so gut zu meinem.</p>
<p>Das nächste Mal wache ich auf, als mein Telefon läutet. Ja, natürlich bin ich zu Hause. Nein, Uni hab ich verschlafen. Ich meld mich später. Bis dann. Du fragst mich nicht, wer es war, besser so, denn ich hätte ohnehin gelogen. Oder gesagt: Niemand. Dabei ist mein Freund nicht niemand, nur momentan ist er ganz fern, auf der anderen Seite eines Flusses ohne Brücke, sozusagen. Diesmal kann ich nicht mehr einschlafen, das Fenster geht nach Osten und Sonnenlicht flutet das Zimmer, ich starre auf die kleinen Unebenheiten an der Decke, die viel zu knapp über mir hängt. Dein Atem geht regelmäßig, kratzt nur ein bisschen, du bist dauererkältet, genau wie ich. Vielleicht liegt das aber auch am vielen Rauchen.</p>
<p>Ich weiß nicht, warum ich bleibe.</p>
<p>Wir verbringen einen Tag mit herumliegen und Radio hören. Ab und zu ein Hustenanfall und ich beobachte fasziniert, wie sich dein Körper dabei verkrampft und deine Muskeln sich anspannen, so dass dein Rücken sich in einem leichten Bogen von der Matratze hebt. Wahrscheinlich solltest du mehr Wasser trinken, aber es gibt nur Kaffee. Du machst furchtbar versalzenes Rührei, von dem ich nichts abhaben will. Ein Blitz der Erinnerung, der mich an salzigen Schweiß der vergangenen Nacht erinnert, lässt mich kaum merklich zusammenzucken. Als ich weg muss, es ist fast Abend, begleitest du mich zur Bushaltestelle. Wir haben keine Nummern ausgetauscht, du kennst nicht einmal meinen Namen. Die Trennung von dir fühlt sich ein bisschen eigenartig an, als würde etwas an dem Bild nicht stimmen, aber ich blicke nicht zurück, als der Bus abfährt.</p>
<p>Die Welt dreht sich weiter, als wäre nichts geschehen – eigentlich ist es das auch nicht. Jeden Morgen vermischt sich der bitter-scharfe Geschmack von Zahnpasta mit jenem von abgestandenem Instantcappuchino, der mir eigentlich nicht schmeckt, aber ich weiß, dass ich ihn trotzdem wieder kaufen werde. Es ist ohnehin nie Milch im Haus, es macht keinen Sinn, Filterkaffee zu kochen. Ich lebe sozusagen von der Plastikgabel in den Mund. Zukunft ist nichts weiter, als sich von einer Sekunde auf die nächste irgendwie über den Tag zu retten. Ich beginne zu ahnen, dass etwas fehlt.</p>
<p>Eine Woche später halte ich es nicht mehr aus. Mond und Gezeiten, Motten und Licht, Ozeankreuzer und Leuchttürme in einer Ära, als es noch kein GPS gab – alles eine Geschichte der Anziehung. Nüchtern ist es viel schwerer, einfach an deiner Tür zu klingeln und nach dir zu fragen, mein Herz hämmert in einem ungesund schnellen Rhythmus gegen meinen Brustkorb. David? Nein, der ist gerade nicht da, soll ich etwas ausrichten? Ein Zettel! Mit zitternden Händen schreibe ich meine Nummer auf ein kariertes Blatt Papier und lasse es in der Gewissheit zurück, alles mir Mögliche getan zu haben. Ab jetzt liegt nichts mehr in meiner Hand, was sich seltsam für mich anfühlt. Als würde man ins Meer hinausschwimmen, so weit wie nie zuvor, aber dabei nicht genau wissen, ob man auch den Rückweg noch schafft. Diesmal habe ich keine Entschuldigung; ich weiß genau, was ich anrichte.</p>
<p>Die Flut spült mich zurück ans Ufer und wie eine Schiffbrüchige, die selbst noch nicht an ihre Rettung glauben kann, nehme ich deinen Anruf entgegen. Benebelt und verwirrt treibe ich auf dich zu und es ist, als würden wir uns das erste Mal begegnen. Zitternde Knie, nervöses an-den-Haaren-Zupfen, festhalten an einer Zigarette. Der Kuss wie ein erster, nicht der erste, Gott bewahre. Schmetterlinge im Bauch, oder eher eine Horde aufgescheuchter Fische. Still frage ich mich, wo bei meinem Freund die Fische abgeblieben sind, und ich werfe dir einen verlegenen Blick von unten zu, der so gar nicht zu mir passen will. Dein Knie berührt meines, viel zu lang, viel zu ausdrucksvoll, um noch zufällig zu sein.</p>
<p>Ich weiß nicht mehr, was dann geschehen ist.</p>
<p>Wir treffen uns wieder und dann noch einmal, und irgendwann in der Zwischenzeit muss es passiert sein, dass ich in dir untergegangen bin, mitgerissen von der Strömung und dir vollkommen verfallen, ohne zu wissen, wie mir geschieht. Ich merke es erst, als du dich eine Woche später nicht mehr meldest. Sieben Tage, ein Viertel einer Mondphase, ein kleines Nichts an verschwendeter Zeit, dann ist es auch schon vorbei. Achtlos hingeworfen und im Sand versickert.</p>
<p>Langsam, viel zu langsam, verebben die Erinnerungen an dich und geben ein Bild der grenzenlosen Verwüstung frei, das ich eigentlich gar nicht sehen wollte. Alles ist wie vorher, ich tue so, als würde ich über die Dinge lachen, die auch die anderen lustig finden, als würde ich so denken, wie auch die anderen denken. So sein wie die anderen, sein wie du, warum sollte ich es überhaupt wollen, frage ich mich dann ein weiteres Mal, und bin im Grunde erleichtert, wenn ich endlich alleine bin.</p>
<p>In der Verlassenheit einer belebten Nacht sagt mein Freund, ich liebe dich, und ich kann nicht ohne dich. Ich sehe von der Brücke hinunter auf die metallschwarze Oberfläche des Flusses und beobachte das Fallen der ersten Regentropfen, wie sie das Wasser aufwerfen und seine Struktur langsam verändern. Und ich denke an dich, während ich antworte, mir geht es genauso.</p>
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		<title>Dystopia</title>
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		<pubDate>Mon, 24 Aug 2009 11:10:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Moppelkatze</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bücher]]></category>
		<category><![CDATA[literatur]]></category>
		<category><![CDATA[psycho]]></category>
		<category><![CDATA[was wäre wenn]]></category>

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		<description><![CDATA[Lesestoff: Corpus Delicti von Juli Zeh Eine Dystopie ist eine Geschichte, die in einer fiktiven Gesellschaft spielt, die sich zum Negativen entwickelt hat [...]. Häufig wollen die Autoren dystopischer Geschichten mit Hilfe eines pessimistischen Zukunftsbildes vor Entwicklungen in der Gegenwart warnen. Eine dystopische Gesellschaft ist in der Regel charakterisiert durch eine autoritäre oder totalitäre Regierungsform [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone" title="Corpus Delicti Cover" src="http://lesekreis.org/wp-content/uploads/2009/05/corpus-delicti.jpg" alt="" width="184" height="300" /></p>
<p>Lesestoff: <strong>Corpus Delicti</strong> von Juli Zeh</p>
<p style="text-align: justify;"><em>Eine <strong>Dystopie</strong> ist eine Geschichte, die in einer fiktiven Gesellschaft spielt, die sich zum Negativen entwickelt hat [...]. Häufig wollen die Autoren dystopischer Geschichten mit Hilfe eines pessimistischen Zukunftsbildes vor Entwicklungen in der Gegenwart warnen.<br />
Eine dystopische Gesellschaft ist in der Regel charakterisiert durch eine autoritäre oder totalitäre Regierungsform bzw. eine Form repressiver sozialer Kontrolle.</em></p>
<p>&#8220;Ein Prozess&#8221;, so lautet der Untertitel; jener wird einer jungen Frau gemacht, die erst unfreiwillig zur Rebellin deklassiert wird, und später aus Überzeugung zur Märtyrerin werden will. Und tatsächlich scheint sie an den Grundfesten der Übermächtigen &#8220;Methode&#8221;, die alle Lebensbereiche der Gesellschaft zum höheren Zweck der &#8220;Gesundheit&#8221; kontrolliert, rütteln zu können. Aber die selbsternannte &#8220;4. Staatsgewalt&#8221;, die Presse, größter Kontrahent und gleichzeitig wertvoller Verbündeter, lässt sie keinen Schritt unbeobachtet tun.</p>
<p>Normalerweise kaufe ich keine Hardcovers. Zu teuer und nehmen zu viel Platz im ohnehin schon überquellenden Bücherregal weg. Außerdem eher ungünstig bei meiner aktuellen Umzugsstatistik, die erfordert, dass meine Mini-Bibliothek etwa alle 8 Monate von A nach B verlegt wird. In diesem Fall wurde mir die bestätigende Ausnahme zur Regel geradezu aufgezwungen, weil ich das Buch einfach nicht mehr aus der Hand legen konnte, nachdem ich im Geschäft bereits über Stunden herumgelungert hatte und es zur Hälfte ausgelesen hatte.</p>
<p>Fesselnd, verstörend und sprachlich herausragend.</p>
<p>&#8220;Ich glaube nicht an Gott und er glaubt nicht an mich. Das beruht auf Gegenseitigkeit.&#8221;</p>
<blockquote><p><a href="http://www.juli-zeh.de/">Juli Zehs Webpräsenz</a><br />
Am 12. November 2009 zusammen mit Slut im PPC Graz: <a href="http://www.schoeffling.de/content/buecher/454.html">Corpus Delicti &#8211; Eine Schallnovelle</a><br />
Sämtliche Tourtermine in Österreich und Deutschland bei <a href="http://www.schoeffling.de/content/lesungen/termine/index.html?autor=62">Schöffling &amp; Co.</a></p></blockquote>
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		<title>Andererseits&#8230;</title>
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		<pubDate>Sat, 22 Aug 2009 17:35:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Moppelkatze</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bücher]]></category>
		<category><![CDATA[leben]]></category>
		<category><![CDATA[literatur]]></category>
		<category><![CDATA[melancholie]]></category>

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		<description><![CDATA[Lesestoff: The Other Hand von Chris Cleave (Twitter: @chriscleave) Wieder einmal eines dieser Bücher, das ich zufällig in die Hand nahm, weil mir das Cover zusagte. Und das ich nicht mehr aus selbiger legte, weil mir der Inhalt gefiel. Wenn ich jetzt sage, dass darin das Migrationsthema behandelt wird, schreckt das vermutlich viele ab, deswegen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone" title="The Other Hand Cover" src="http://www.lacajatonta.es/wp-content/uploads/2009/06/the_other_hand.jpg" alt="" width="182" height="240" />Lesestoff: <strong>The Other Hand</strong> von Chris Cleave (Twitter: <a href="http://twitter.com/chriscleave">@chriscleave</a>)</p>
<p>Wieder einmal eines dieser Bücher, das ich zufällig in die Hand nahm, weil mir das Cover zusagte. Und das ich nicht mehr aus selbiger legte, weil mir der Inhalt gefiel. Wenn ich jetzt sage, dass darin das Migrationsthema behandelt wird, schreckt das vermutlich viele ab, deswegen will ich anders beginnen:</p>
<p>Es geht um die Geschichte zweier Frauen, einer Nigerianerin und einer Britin, deren Wege sich erst zufällig, dann durch Absicht kreuzen, was im Endeffekt für beide all das verändert, was ihnen vertraut war. Oder zumindest so schien. Menschliche Abgründe werden enthüllt wie in einer Kriminalgeschichte, was es umso spannender macht, zumal eine solche in jedem von uns leben kann. Und es wahrscheinlich auch tut.</p>
<p>Aber all das kommt ohne den erhobenen Zeigefinger aus, sondern beschränkt sich auf simple Menschlichkeit. Mal spannend, mal erheiternd, mal abgrundtief traurig, aber immer mitreißend.</p>
<p>Ich habe das Buch mit einem lachenden und einem weinenden Auge geschlossen, würde ich sagen, ginge es darum eine halbwegs passende Redewendung zu finden. In Wahrheit aber habe ich mit <em>beiden</em> Augen geheult wie ein Schlosshund, aber irritierenderweise war all die Bestürzung mit einem absurden Anflug von Hoffnung gemischt.</p>
<p>Denn vielleicht, vielleicht wird doch noch alles gut. Irgendwann.</p>
<p><em>&#8220;The Other Hand&#8221; ist auf deutsch übrigens (noch?) nicht erschienen. In den USA und in Kanada trägt das Buch den Titel &#8220;Little Bee&#8221;.</em></p>
<p><em><a href="http://www.amazon.de/Other-Hand-Chris-Cleave/dp/0340920246/ref=sr_1_1?ie=UTF8&amp;s=books-intl-de&amp;qid=1250961394&amp;sr=8-1">&#8230;hier bei Amazon.com</a><br />
</em></p>
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