Andere nennen es Liebe. Aber irgendwann verlieren wir alle unseren Idealismus.
Zumindest die meisten von uns. Zumindest ich. Es ist oft so – und meistens merkt man das erst im nachhinein, obwohl man etwa tausend Mal von allen Menschen in der näheren Umgebung darauf hingewiesen worden ist – dass man, erst einmal in die Falle der vorübergehenden Unzurechnungsfähigkeit getappt, sich mit einer beinahe noch unbändigbareren Leidenschaft, als jene eigentliche, die meistens einer gewissen Person entgegengebracht wird (außer vielleicht bei gewissen Fetischen, über die ich mich an dieser Stelle nicht weiter auslassen werde) der Verblendung anheim wirft, die einen allen Ernstes glauben lässt, es existiere ein größerer Sinn hinter all dem.
Größe. In unserer lächerlichen Kleinheit träume wir immer von Größe, gelenkt von dem verzweifelten Wunsch, einen Sinn hinter dem zu sehen, das uns dazu bringt, sich von einer Sekunde zur nächsten schmerzgeplagt über den Tag zu retten. Und wagt man es, in der Öffentlichkeit seinen Zweifel daran kund zu tun, so wird man im besten Fall als Sinnesatheist, auch bekannt als Zyniker, deklariert, oder im schlechteren Fall als depressiv. Ich habe beides schon erlebt, im Endeffekt ist der Unterschied nicht allzu groß.
Aber der Punkt ist, dass man – oder vielleicht sollte ich einfach beiden Tatsachen bleiben, und sagen: dass ich einem Idealbild hinterher gejagt bin, das in dieser Form nicht existiert, nicht existiert hat und auch niemals existieren wird. Ich habe Dinge in etwas hineinprojiziert, das nichts weiter war, als eine bloße Hülle von etwas, das ich nicht einmal ansatzweise kenne. Um es wieder einmal mit einer seltsamen Metapher zu ummanteln: Ich habe eine Macadamianuss in einer Walnussschale gesehen.
Aber die Unzurechnungsfähigkeit ( auch: seelische Abartigkeit, die laut Gesetz als Schuldausschließungsgrund gilt, was wiederum das einzige ist, das uns die Eskapaden der sogenannten Liebe auch nach Abebben eben dieser als erträglich ansehen lässt) trägt ihren Namen nicht ohne Grund. Die wirklich durchtriebene Hinterhältigkeit, die mich, selbst nachdem ich den Baum gesehen habe, auf dem die Walnüsse wachsen, selbst nach eingängiger Klopfprobe an der Schale (“Und der scheiß Baum kann meinetwegen auch eine DNA-Probe beim CSI abliefen, das is mir sowas von egal!”) hoffen lässt, dass sich darin gut versteckt doch noch eine Macadamianuss befindet.
Aber wenn man Hufe hört, dann sollte man an Zebras denken und nicht an Pferde… oder umgekehrt?