Eine schreckliche Befürchtung
Der Gedanke, ich könnte mich zu wenig mit den täglichen Nachrichten beschäftigen, kam mir erst gestern, als ich durch diesen Comic von der Schweinegrippe erfahren habe.
(Und ich hielt sie für einen Witz.)
Der Gedanke, ich könnte mich zu wenig mit den täglichen Nachrichten beschäftigen, kam mir erst gestern, als ich durch diesen Comic von der Schweinegrippe erfahren habe.
(Und ich hielt sie für einen Witz.)
Wir widmen uns heute der Bildung:
Letztendlich bin ich also wirklich in einer Welt angelangt, in der ausschlafen bedeutet, bis neun im Bett zu liegen und an die Decke zu starren.
Ich kann Travis nicht mehr hören. Was schade ist, denn ich mochte – mag – Travis sehr. Wieder, muss ich fast sagen, seit ich sie im letzten Jahr am Frequency live gesehen habe. “This is our last song, and it’s dedecated to the guy, who is just about to jump”, sagte Fran Healy und zeigte auf den Mann, der gerade am Bungee-Turm stand. “But, hopefully, it’s not his last song.” Tausende Augenpaare verfolgten jene Sekundenbruchteile mit, die darüber entschieden, ob es sein letzter Song sein würde. War es nicht.
Jedenfalls war der Auftritt gut, die Band war gut. Ich begann, die alten CDs wieder zu hören, Travis neu zu entdecken, zu lieben. Aber jetzt, Monate später, kann ich es plötzlich nicht mehr.
Ähnlich ist es bei Radiohead, die ich allerdings nie live gesehen habe. Jedoch gibt es da ein Video von Thom Yorke auf YouTube, in dem er komisch lacht, was gewissermaßen auch eine persönliche Bindung aufbaut.
Nicht einmal IAMX geht noch, nicht einmal Chris Corner, den ich fünf Mal live gesehen habe; dem ich in einem Akt wüstesten Fangirltums in den Schritt gegriffen habe; der noch im Dezember unangefochten meine Liste der Most Fuckable Men Ever angeführt hat. Die Musik bewegt nichts mehr, da ist bloß Taubheit – in mehr als nur einem Sinn.
Ein Schutzmechanismus. Denn würde es noch etwas in mir auslösen können, es täte zu sehr weh…
Einzig Elliott Smith ist mir geblieben. Jeden Abend, Nacht für Nacht. Gerade er, der den Weltschmerz selbst am wenigsten vertragen hat. Aber dieser Schmerz, bei ihm ist er am schönsten.
“Everything means nothing to me.”
Der Barbier von Sevilla rasiert alle Männer von Sevilla, ausgenommen die, die sich selbst rasieren. Wer rasiert den Barbier von Sevilla?
(Wer’s weiß gewinnt ein Osterei. Ein buntes. Vorraussichtliches Zustelldatum: Mitte Mai.)
Ich habe es gesehen. Wenn ich es gesehen habe, heißt das, es hat mich auch gesehen. Das Google-Auto, das dieser Tage durch die Grazer Straßen zieht, um sie für die geplanten Österreich-Launch von Streetview abzufotographieren.
Dass Google meine Emails nach Schlagworten scannt, um dann entsprechend dem seitenlangen Lamentieren über Depressionen, Essstörungen und Liebeskummer passende Ads zum Thema “Bachblütentherapie für Haustiere” und “Nasenkorrektur” zu liefern – damit habe ich mich abgefunden. Ich meine, was soll’s. Immerhin begehe ich keine Industriespionage oder plane Atombomben im Keller zu basteln. Noch nicht.
Aber das? Ich mit Lidl-Sackerl schlecht gelaunt am Heimweg von der Arbeit, so dass alle Welt es sehen kann? Also ich weiß nicht…
Ich stelle diese Frage einfach so in den Raum und hoffe, irgendwer würde sie mehr kommentieren, als bloß den Mund zu einem halbherzigen Grinsen zu verziehen, um im nächsten Moment mit dem Blick wieder zum Bildschirm zu schwenken und ins Mikro zu sagen: “Ja, der Artikel ist lagernd.”
Seufzend nehme ich meinen nächsten Anruf entgegen. Eine Rechnung stimmt nicht. Schon weitergeleitet zum Second Level: “Hallo, eine Kontoklärung, bitte.” Es kommt mir vor, als hätten meine Stimmbänder Lähmungserscheinungen.
“Einen schönen guten Tag wünsche ich!”, fliegt mir ein Stückchen Freude vom anderen Ende der Leitung entgegen. Oh. ER. Ich habe ihn nie gesehen, und ich fürchte fast, er ist verheiratet, aber er hat diese unglaubliche Art, einen schönen guten Tag zu wünschen, dass mir jedes Mal ganz anders wird, wenn ich ihn zufällig am Telefon habe.
“Uh, ja.. die, erm, Kundennummer. Darf ich? Ich meine, kann ich sie schon durchgeben?”, fange ich plötzlich an zu stottern. Damn it. Wie albern. Andererseits auch die einzige Abwechslung in meinem grauen Arbeitsalltag zwischen Artikelnummern und Retouradressen.
Fast beneide ich die Kundin, die ich jetzt zu ihm durchstelle. Ob ich für so ein Gespräch auch einen Sendungsverlust in Kauf nehmen würde? Wahrscheinlich ist sowas das weibliche Pendant zu Telefonsex: mit einem charmanten Mann über Einkäufe zu sprechen. Oder generell – Teleshopping. Zum ersten Mal beginne ich das Phänomen zu begreifen.
Für ein solches Gespräch, überlege ich, da könnte der Lieferant auch ins Zimmer stürmen und meinen Kleiderschrank in Flammen setzen, wenn’s sein muss. (Ähnliches kam tatsächlich vor: “Ja, ich habe das Paket erhalten, aber der Bote kam später wieder und hat die T-Shirts aus meinem Kasten gestohlen! Die müssen sie mir ersetzen!”)
Aber ganz so drastisch muss es ja nicht sein. Schon Sekunden später blinkt das rote Lämpchen an meinem Telefon wieder und ich drücke auf den Knopf, um den Anruf entgegen zu nehmen – in der stillen Hoffnung, der Kunde hätte ganz gewaltigen Mist mit seinen Zahlungen gebaut.
Der Ort: Graz.
Die Zeit: früher Abend.
Das Leben: freundlich.
Ein alter Mann, wirres, weißes Haar, ein kreisförmiger kahler Fleck am Hinterkopf. Er trägt ein weißes Häschenkostüm, verkehrt herum allerdings, so dass der rosa Brustfleck auf dem Rücken ist und das puschelige weiße Stummelschwänzchen vorne sitzt. Den Hasenkopf mit langen Schlappohren trägt er unter dem Arm. “Na, schon Feierabend?”, ruft er einer Verkäuferin zu, die gerade kleine Artgenossen aus Schokolade in den winzigen Süßwarenladen räumt, vor dessen Fenster die österlichen Kalorienbomben drapiert waren. “Sie auch?”, fragt sie zurück, und der Alte lacht.
Ich glaube, er hat deshalb gelacht, weil er in dem Kostüm nie gearbeitet hat. Und es einfach trägt, weil es ihm Spaß macht. Wer weiß.
Ich will es nicht Kurzgeschichte nennen. Aber es ist kurz und so etwas Ähnliches, wie eine Geschichte, also drängt sich diese Betitelung wohl auf. Es geht ein bisschen um Kunst und ein wenig auch um Regen. Aber irgendwie trifft das die Sache so gar nicht…
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