Orgasmus im Kopf
“…und dann war auf einmal alles so oh mein Gott und Farben und schwarz und verschommen und ich dachte das ist es jetzt, das und nichts anderes und möge dieser Augenblick doch ewig dauern und gleichzeitig so, verdammt, ich halt das nicht aus, muss sterben, das ist zu viel, das ganze Sein in einem einzigen Moment, so komprimiert wie ein schwarzes Loch mit unendlicher Dichte und allem, so verstanden hab ich das ja nie, aber dieses Gefühl, dieses Gefühl, Wahnsinn, ich dachte, das muss nah dran sein…”
Höhepunkte gibt es diverse, nicht nur sexueller Natur. Jeder hat da seine eigenen, je nach Interesse, nach Gefühlslage, nach Stimmung. Die Klänge einer Opernarie sollen den einen oder die andere schon durch diverse Stadien der Verzückung getrieben haben, während andere nur ein müdes Kopfschütteln dafür übrig haben. Dieses Bild ist aber ohnehin schon so abgenutzt durch Film und Fernsehen, dass keine formulierungstechnische Politur der Welt es wieder auf Hochglanz bringen könnte.
Also bleiben wir bei dem, was wir kennen. Beispielsweise diese Begebenheiten, in denen man glaubt, die Welt bleibe stehen, weil so viel Perfektion nicht in einen ganz normalen Moment hineinpassen darf. Das kann meinetwegen die bestandene Matura sein, oder dieser eine Moment, wenn man aus einem Flugzeug steigt und sich denkt “Fuck, ich bin wirklich hier!”, oder etwas viel Banaleres, das einfach irgendwie zu etwas Besonderem wird.
Vielleicht ein Konzert, eine Band die man kennt, liebt, möglicherweise sogar vergöttert, und die Leute reden immer von der Stimmung wenn sie davon erzählen, und als jemand, der es nicht gesehen hat denkt man sich dann “Ach leck mich doch mit deiner Stimmung, war die Band jetzt gut oder nicht?” Aber gut ist doch gar kein Ausdruck. Nicht für diesen Moment, in dem tausende Gedanken verschmelzen, zu einem undefinierbaren Großen werden, wenn man abhebt und sich die normalen Konturen der Welt aufzulösen beginnen. Dieses Massenphänomen, das ist der multiple Kopforgasmus.
Eine wichtige Sache die wir daraus lernen ist: Höhepunkte sind etwas, das sich durch Teilung potenziert. (Man beachte das überaus gewagte Wortspiel mit der Potenz…) Soll heißen, man genießt sie am besten gemeinsam.
Und ich, ja, ich habe vor, das bald wieder zu spüren, dieses unglaubliche Gefühl, wenn man den Grund unter den Füßen verliert. Denn er kommt nach Graz. Bald. Und ich werde mich wieder zu alten Höhen aufschwingen, wenn ich, das Fangirl par excellence, Chris Corner singen höre “I need you in the world, my simple girl”.
Nur für mich. Bestimmt.