Bücher
 

Dystopia

Datum: 24.8.2009
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Lesestoff: Corpus Delicti von Juli Zeh

Eine Dystopie ist eine Geschichte, die in einer fiktiven Gesellschaft spielt, die sich zum Negativen entwickelt hat [...]. Häufig wollen die Autoren dystopischer Geschichten mit Hilfe eines pessimistischen Zukunftsbildes vor Entwicklungen in der Gegenwart warnen.
Eine dystopische Gesellschaft ist in der Regel charakterisiert durch eine autoritäre oder totalitäre Regierungsform bzw. eine Form repressiver sozialer Kontrolle.

“Ein Prozess”, so lautet der Untertitel; jener wird einer jungen Frau gemacht, die erst unfreiwillig zur Rebellin deklassiert wird, und später aus Überzeugung zur Märtyrerin werden will. Und tatsächlich scheint sie an den Grundfesten der Übermächtigen “Methode”, die alle Lebensbereiche der Gesellschaft zum höheren Zweck der “Gesundheit” kontrolliert, rütteln zu können. Aber die selbsternannte “4. Staatsgewalt”, die Presse, größter Kontrahent und gleichzeitig wertvoller Verbündeter, lässt sie keinen Schritt unbeobachtet tun.

Normalerweise kaufe ich keine Hardcovers. Zu teuer und nehmen zu viel Platz im ohnehin schon überquellenden Bücherregal weg. Außerdem eher ungünstig bei meiner aktuellen Umzugsstatistik, die erfordert, dass meine Mini-Bibliothek etwa alle 8 Monate von A nach B verlegt wird. In diesem Fall wurde mir die bestätigende Ausnahme zur Regel geradezu aufgezwungen, weil ich das Buch einfach nicht mehr aus der Hand legen konnte, nachdem ich im Geschäft bereits über Stunden herumgelungert hatte und es zur Hälfte ausgelesen hatte.

Fesselnd, verstörend und sprachlich herausragend.

“Ich glaube nicht an Gott und er glaubt nicht an mich. Das beruht auf Gegenseitigkeit.”

Juli Zehs Webpräsenz
Am 12. November 2009 zusammen mit Slut im PPC Graz: Corpus Delicti – Eine Schallnovelle
Sämtliche Tourtermine in Österreich und Deutschland bei Schöffling & Co.

Bücher
 

Andererseits…

Datum: 22.8.2009
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Lesestoff: The Other Hand von Chris Cleave (Twitter: @chriscleave)

Wieder einmal eines dieser Bücher, das ich zufällig in die Hand nahm, weil mir das Cover zusagte. Und das ich nicht mehr aus selbiger legte, weil mir der Inhalt gefiel. Wenn ich jetzt sage, dass darin das Migrationsthema behandelt wird, schreckt das vermutlich viele ab, deswegen will ich anders beginnen:

Es geht um die Geschichte zweier Frauen, einer Nigerianerin und einer Britin, deren Wege sich erst zufällig, dann durch Absicht kreuzen, was im Endeffekt für beide all das verändert, was ihnen vertraut war. Oder zumindest so schien. Menschliche Abgründe werden enthüllt wie in einer Kriminalgeschichte, was es umso spannender macht, zumal eine solche in jedem von uns leben kann. Und es wahrscheinlich auch tut.

Aber all das kommt ohne den erhobenen Zeigefinger aus, sondern beschränkt sich auf simple Menschlichkeit. Mal spannend, mal erheiternd, mal abgrundtief traurig, aber immer mitreißend.

Ich habe das Buch mit einem lachenden und einem weinenden Auge geschlossen, würde ich sagen, ginge es darum eine halbwegs passende Redewendung zu finden. In Wahrheit aber habe ich mit beiden Augen geheult wie ein Schlosshund, aber irritierenderweise war all die Bestürzung mit einem absurden Anflug von Hoffnung gemischt.

Denn vielleicht, vielleicht wird doch noch alles gut. Irgendwann.

“The Other Hand” ist auf deutsch übrigens (noch?) nicht erschienen. In den USA und in Kanada trägt das Buch den Titel “Little Bee”.

…hier bei Amazon.com

Everyday Blog
 

Hart, aber ungerecht.

Datum: 12.8.2009
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Pech ist, wenn es wieder einmal keine Überweisungszettel im Bankfoyer mehr gibt, dann doch noch einen einzelnen unter dem Tisch findet, sich wahnsinnig freut, dann jedochdoch feststellen muss, dass kein einziger Kuli mehr schreibt.

Unbedacht Bodenlose Dummheit ist, wenn man sich so darüber ärgert, dass man deswegen die Bankomatkarte vergisst.

Glück ist, wenn man es einen Tag später merkt, sofort auf die Bank rennt und dort mitgeteilt bekommt, dass die Karte gefunden wurde.

Ironie ist, wenn einem das nicht unbedingt weiterhilft, weil die Bankangestellte sie verlegt hat.

Everyday Blog,Linkage
 

Die Untiefen des Netzes

Datum: 11.8.2009
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Photowebsites sind populär. Nicht nur jene von der Art wie Flickr oder Picasa, sondern einfach solche zu gewissen Themen, Leute schicken ihre meist sinnlosen Bilder ein und sind wahnsinnig stolz, auf diese Weise zur allgemeinen Erheiterung beizutragen. Und gerade diese Websites zeigen die großen Ströme der Interessen auf, in denen fast jeder irgendwie, wenn schon nicht mitgerissen wird, dann zumindest träge dahindümpelt.

Eichentlich ist es ganz simpel. Der Titel ist gleichzeitig die Domain der Website, und setzt sich wie folgt zusammen: Substantiv Präposition Substantiv Punkt Com. Die Themen sind, wie gesagt, variabel, jedoch lassen sich die Webuser grob auf drei große Gruppen aufteilen.

Da wäre die Gruppe eins, die Crazy Cat Ladies. Ein Beispiel: Cats in Sinks – Bilder von Katzen in Waschbecken. Reizend. Sinnlos. Milde amüsant, für Katzenliebhaber, derer es offensichtlich mehr als genug gibt. Sie speichern die niedlichsten Bilder und sehen sie nie wieder an, googlen ab und an ein Zitat und verfolgen die Blogs ihrer besten Freunde, nur um den Entry am nächsten Tag bei einem Café Latte zu diskutieren. Das, und das neue Kuchenrezept von Martha Stewart, und die Bastelanleitung für diesen niedlichen Teewärmer…

Nun, stellvertretend für Gruppe zwei, das nächste Beispiel: Woman with Mustaches. Zielgruppe: Menschen mit schlechtem Humor (Punkt komm). Sie sehen sich selbstzerstörerische Youtube-Videos an, in denen sich fremde Leute in der Achterbahn in die Hose machen, oder widmen sich ähnlich geistvollen Online-Aktivitäten, fühlen sich dabei als die Könige des Netzes, weil sie Buchstaben durch Ziffern ersetzen und andere als Noobs bezeichnen. Aber hey, ich meine, es muss schon frustrierend sein, tagein, tagaus an der Tankstelle zu arbeiten, ohne Aussicht, jemals etwas anderes zu machen. Gönnen wir ihnen das Bisschen Spaß.

Oh, und dann fehlt noch Nummer drei: die notgeilen Narzissten. Unser repräsentativer Link hierzu: Guys with iPhones. (Und ich spreche hiermit eine ausdrückliche WARNUNG aus, diesen Link zu klicken. Ich weiß, dass es gerade deswegen trotzdem alle tun werden, aber dammit, ich meine das ernst!) Sie haben mindestens je eine Facebook-, StudiVZ-, Twitter- und MySpace-Seite, wo sie sich jeweils der verherrlichenden Selbstdarstellung widmen, saugen Pornos und schlechte Musik und ersteigern Sitzbezüge und Alufelgen für ihr Auto bei Ebay. Und das alles für den höheren Zweck… ich weiß es nicht, jemanden aufzureißen? Und es dann allen gleich mitteilen zu können. “Hey, ich hab grad ‘ne echt geile Nummer geschoben mit – uh, wei heißt du nochmal? — von meinem iPhone gesendet

Aber wie gesagt, die Einteilung ist nur grob, die einzelnen Strömungen, neigen dazu, sich zu überschneiden und ineinander über zu gehen, außerdem gibt es noch diverse Randgruppen, wie etwa die krankhaften Individualisten, die im “Anderssein” alle gleich sind, oder die Webcomic-Community, wo die täglichen drei Bildchen nur ansatzweise über den Mangel an einem eigenen Sozialleben hinwegtrösten können…

Wahrscheinlich müsste ich jetzt Angst haben, jemanden damit beleidigt zu haben. Andererseits habe ich I Can Has Cheezburger im RSS-Feed, finde es wahnsinnig erhebend, mit die kleinen Fehler der Stars in Großaufnahme anzusehen, besitze einen selbstverherrlichenden Twitter-Account und verspüre gelegentlich den Drang Küchenutensilien zu häkeln. So what?

10 Dinge
 

10 Schritte zu einer ausgefüllten Abendgestaltung

Datum: 5.8.2009
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  1. Stelle fest, dass deine Mutter zwei Wochen früher als erwartet vom Urlaub zurückkommt und entsinne dich ihres Autos, das du illegalerweise vor grob geschätzten 5 Wochen am Bahnhof abgestellt und seither nicht mehr beachtet hast.
  2. Verpass die Straßenbahn und lege 15 Minuten Fußweg zum Parkplatz zurück, während denen du dir diverse Horrorszenarien ausmalen kannst. Das fängt an bei Hagelschaden, geht über den 100-Euro-Strafzettel, bishin zur drastischsten Variante des verschwundenen Autos. Wobei es auch hier wiederum zwei Möglichkeiten gibt, nämlich a) es wurde gestohlen, oder b) es wurde abgeschleppt, deine Mutter weiß das längst und will dich testen. Du bist dir nicht sicher, welches die unangenehmere Variante wäre.
  3. Stelle mit immenser Erleichterung fest, dass das Auto noch da ist. Sogar das Radio. Und der alte Parkschein unter dem Beifahrersitz. Alles ist in Ordnung, das Leben ist schön.
  4. Geh nachhause und trink ein Bier.
  5. Entwickle eine langsam wachsende Paranoia, das Auto beim Weggehen nicht wieder abgesperrt zu haben.
  6. Gib ihr schließlich nach und jogge zurück zum Parkplatz, weil du schon wieder die Straßenbahn verpasst hast.
  7. Stelle fest, dass das Auto in den vergangenen 45 Minuten verschwunden ist.
  8. Ruf hysterisch die einzige halbwegs vernunftbegabte Person an, die dein Leben zumindest periphär tangiert – und das, obwohl du den klugscheißerischen Spinner nicht leiden kannst, verdammt noch mal!
  9. Ignorier seine Worte des klaren Verstandes, geh nachhause und trink ein Bier.
  10. Wiederhole den letzten Schritt so lange, bis du alles für ein Werk deiner überbordenden Phantasie hältst.

Jemand sollte die “10 Schritte, den Morgen danach zu überstehen” schreiben. Ich fürchte nur, ich werde es nicht sein.

Everyday Blog
 

Sonder(film)ausgabe

Datum: 4.8.2009
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Nein, kein theoretisieren. Ich habe mich heute Nachmittag dem Trailerwahnsinn auf YouTube hingegeben, und folgendes kam dabei heraus:

Fantastic Mr. Fox
Ein Animationsfilm nach einem Kinderbuch, das aus der Feder von Roald Dahl stammt, dem Autor von Charlie und die Schokoladenfabrik. Der Stil ist durchaus ungewöhnlich, eigenwillig, wenn man es so nennen möchte, obwohl generell sicher auf den Geschmack der Masse hingetrimmt wurde, wofür auch George Clooney als Mr. Fox’ Stimme spricht. Und sicher, es ist eine Geschichte für Kinder. Aber hat uns das je von irgendetwas abgehalten?

9
Ebenfalls animiert, aber ohne das fröhliche Kinderbuch-Feeling ein ganzes Stück düsterer – eh klar, ist ja auch von Tim Burton. Um ehrlich zu sein habe ich nicht ganz begriffen, worum es geht, außer dass 9 die Welt retten soll, was ja aber im Grunde schon genug ist, um einen durchschnittlichen Spielfilm zu füllen. Wobei ich mir aber recht sicher bin, dass dieser hier seine Mittel hat, um über den Durchschnitt hinauszuragen.

Alice in Wonderland
Kein Remake, soweit ich informiert bin, sondern eine Art Sequel, indem Alice als Erwachsene ins Wunderland zurückkehrt. Vielleicht besser so, eine neue Geschichte zu erzählen, als die bekannte, zum x-ten Mal aufzukochen. Wir werden sehen. Aber solange Tim Burton der Koch ist und Johnny Depp mit in den Topf wirft kann es nicht so schlecht sein, oder?

Wir werden sehen.

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