Everyday Blog
 

Passiv aggressiv

Datum: 23.11.2009
Tags: , ,

Zu spät für betitelten Blogeintrag, alles längst verraucht. Teils sogar wörtlich. Manchmal will man etwas so sehr, dass man es gar nicht merkt, wenn man eigentlich etwas anderes noch viel mehr will. Oder jemanden.

Einen Keks etwa. Oder so.

Bücher
 

Gemeinsam einsam.

Datum: 13.9.2009
Tags: , , ,

die einsamkeit der primzahlen Lesestoff: Die Einsamkeit der Primzahlen von Paolo Giordano

Primzahlzwillinge, das sind zwei Primzahlen, die nur durch eine einzige dazwischenliegende Zahl getrennt werden. Sie kommen nicht sehr häufig vor, und je weiter man zählt, desto seltener werden sie. Aber immer dann, wenn man schon denkt, es gäbe keine weiteren mehr, findet man doch noch ein solch seltsames Paar. Schicksalhaft vielleicht. Sich so nahe, und doch auf ewig von ihrem Gegenstück getrennt.

Mattia hat eine Schwäche für Primzahlen. Und er und Alice, findet er, sind wie Primzahlzwillinge, die sich gegenseitig näher sind als allen anderen, sich aber nie ganz erreichen werden. Sie kennen sich seit ihrer Schulzeit, teilen so viel und doch so wenig, jeder mit seiner eigenen Bürde belastet, die er seit seiner Kindheit mit sich herumträgt. Ein einziger Tag war es, der jedes dieser beiden Leben auf immer verändert hat. Ihnen vielleicht für immer die Chance genommen hat, glücklich zu werden. Vielleicht haben sie das aber auch selbst getan.

Es ist wieder eines dieser Bücher, die man nicht mehr aus der Hand legen kann, wenn man sie einmal aufgeschlagen hat. Von denen man sich wünscht, sie mögen niemals enden. Deren Protagonisten man nicht zu trösten versuchen würde, sondern sich einfach still neben sie setzen und nur eine zeitlang in die selbe Richtung mit ihnen blicken.

Genau das würde ich tun.

» Die Einsamkeit der Primzahlen auf Amazon.de

Kreative Ergüsse
 

Wie Wasser.

Datum: 5.9.2009
Tags: , ,

Eine Kurzgeschichte die ich… vor verflucht langer Zeit geschrieben habe, bald sind es drei Jahre. Wahnsinn, was sich über diese Dauer hinweg alles verändern kann. Und noch viel wahnsinniger ist, was sich alles nicht verändert.

Und nun erstmals zu lesen…

Weiterlesen »

Bücher
 

Lichtschalter im Kopf

Datum: 11.7.2009
Tags: , ,

Es ist schon lange her, dass ich zum letzten Mal über ein Buch geschrieben habe. Vielleicht ist es jetzt wieder an der Zeit. Vielleicht.

Lesestoff: Aprilwetter von Thommie Bayer.

Weiterlesen »

Kreative Ergüsse
 

Chronik eines angekündigten Abschieds

Datum: 1.6.2009
Tags: , ,

Ich brauche die Liebe im selben Außmaß, wie sie mir schadet.

Zugegeben, ich habe lange gebraucht, um diesen höheren Zusammenhang zu verstehen, aber als mir die Erkenntnis kam, war es wie ein brechender Damm. Die Eindrücke stürzten herab, begruben mich, erdrückten mich, und mitten auf der belebten Brücke, auf der ich stand, kamen mir die Tränen. Ich bin immer noch nicht sicher, ob es Tränen der Erleichterung oder der Verzweiflung waren.

Apathisch lief ich irgenwann weiter, mir war egal, wohin ich ging, solange ich nur ging, es nur ging. Detail für Detail kam mir wieder in den Sinn, wie meine Beziehungen und ich uns gegenseitig manipuliert hatten, um uns beide systematisch zugrunde zu richten. Und jedes Mal hatte es funktioniert, das war das Erschreckende daran. Aber die Frage, die sich immer offensichtlicher stellte, der ich aber mit solcher Penetranz auszuweichen versuchte, dass das Schicksal sich gezwungen sah, mir in die metaphorischen Weichteile zu treten, war auf Dauer unumgänglich.

Ein Blick auf mein Handy – keine Nachricht, kein verpasster Anruf – und ich wusste, dass ich sie mir zu stellen hatte. Durfte ich mich niemals verlieben, um die Chance zu haben, wenn schon nicht glücklich, dann zumindest zufrieden zu sein?

Ich trottete den steinigen Pfad am Fluss entlang, plötzlich von einer unerklärlichen Müdigkeit befallen, meine Augen immer auf die Wellen gerichtet. Fluss, fließen, weiter, weiter, Einsamkeit, wohin? Wortfetzen kreuzten meine Sinne, ohne, dass ich damit etwas hätte anfangen können. Ein morsches Boot, wie ein Sinnbild für mein verpfuschtes Leben; das Wasser, das es trug, aber gleichzeitig die Fäulnis dazu brachte, sich langsam aber sicher durch die splitternden Planken zu fressen.

Irgendwann stand ich wieder auf einer Brücke, und dachte, das müsse der Moment sein, um fliegen zu lernen. Ich stellte es mir als den schönsten Augenblick meines Lebens vor, wenn ich den Wind spüren würde, der mir ins Gesicht bläst, meinen Körper trägt, unter mir die tosenden Wassermassen, der Fluss gesäumt vom frischen Grün der Bäume. Es müsse wundervoll sein, so überlegte ich, nur zu kurz, viel zu kurz.

Ich schloss die Augen, um ein paar gedankenfreie Sekunden lang den Wind zu fühlen. Dann drehte ich mich um und ging.

Everyday Blog
 

Akustischer Kurzschluss

Datum: 13.4.2009
Tags: , ,

Ich kann Travis nicht mehr hören. Was schade ist, denn ich mochte – mag – Travis sehr. Wieder, muss ich fast sagen, seit ich sie im letzten Jahr am Frequency live gesehen habe. “This is our last song, and it’s dedecated to the guy, who is just about to jump”, sagte Fran Healy und zeigte auf den Mann, der gerade am Bungee-Turm stand. “But, hopefully, it’s not his last song.” Tausende Augenpaare verfolgten jene Sekundenbruchteile mit, die darüber entschieden, ob es sein letzter Song sein würde. War es nicht.

Jedenfalls war der Auftritt gut, die Band war gut. Ich begann, die alten CDs wieder zu hören, Travis neu zu entdecken, zu lieben. Aber jetzt, Monate später, kann ich es plötzlich nicht mehr.

Ähnlich ist es bei Radiohead, die ich allerdings nie live gesehen habe. Jedoch gibt es da ein Video von Thom Yorke auf YouTube, in dem er komisch lacht, was gewissermaßen auch eine persönliche Bindung aufbaut.

Nicht einmal IAMX geht noch, nicht einmal Chris Corner, den ich fünf Mal live gesehen habe; dem ich in einem Akt wüstesten Fangirltums in den Schritt gegriffen habe; der noch im Dezember unangefochten meine Liste der Most Fuckable Men Ever angeführt hat. Die Musik bewegt nichts mehr, da ist bloß Taubheit – in mehr als nur einem Sinn.

Ein Schutzmechanismus. Denn würde es noch etwas in mir auslösen können, es täte zu sehr weh…

Einzig Elliott Smith ist mir geblieben. Jeden Abend, Nacht für Nacht. Gerade er, der den Weltschmerz selbst am wenigsten vertragen hat. Aber dieser Schmerz, bei ihm ist er am schönsten.

“Everything means nothing to me.”

Kreative Ergüsse
 

Exit Music (For A Film)

Datum: 21.3.2009
Tags: , ,

“Love?”, schreibt er und meint mich damit. Irritierend. “Ich vermiss dich so sehr, dass es fast körperlich weh tut.”

Der weiß doch nicht mal, was Liebe ist, denke ich, und antworte: “Ich weiß was du meinst…”

Er linkt mir einen Song von Radiohead, der ihn laut eigener Aussage an mich erinnert. Das nehme ich zweifelnd zur Kenntnis, Thom Yorke tendiert normalerweise eher zu neurotischem Weltschmerz als zu Romantik. Außerdem kotzen mich die YouTube-Videos inzwischen ziemlich an.

Der inszeniert sich doch genauso sehr wie ich, denke ich, und google ein Zitat von Thomas Bernhard, das ich ihm als mein umfangreiches Literaturwissen verkaufe, was ihn wiederum zu einer Äußerung der völligen Verzückung motiviert.

Das Ganze ist doch, überlege ich mit einem weiteren flüchtigen Seitengedanken an Bernhard, nur Theater, das wir spielen, weil wir uns beide selbst so gut in unseren Rollen gefallen. Die “star-crossed lovers” aus dem Web, die ihre Liebe auf diese höhere, vergeistigte Ebene gehoben haben, weil ihnen das Schicksal die körperliche Nähe verwehrt.

Bullshit, denke ich.

“Was auch immer passiert, ich könnte dich nie wieder vergessen. Jeden einzelnen Tag meines restlichen Lebens werde ich an dich denken.” Heute übertrifft er sich wieder selbst.

“Darling, du trägst ein bisschen dick auf, das ist dir schon klar, oder?”, äußere ich meine berechtigten Zweifel. Ich will zumindest noch so tun können, als wäre das alles erst gemeint, so verkommt es eher zu einer Schmierenkomödie.

“Wie kannst du mir nur unterstellen, ich würde das nicht ernst meinen? Ich meine jedes Wort!”, ereifert er sich. Ich sehe, wie er beim Tippen mehrmals etwas löscht, bevor er die Nachricht absendet.

Ich danke der Academy, sagte Edward Norton einst in Fight Club und ich weiß jetzt ungefähr, wie er sich dabei gefühlt hat.

Ich stoße ein virtuelles Seufzen aus und sage: “Es ist so hart…”

“Dass wir uns nicht sehen können?”, schlägt er als dramatische Wendung vor.

“Nein. Du hast mir nicht nur Radiohead, sondern auch nun auch noch Edward Norton versaut.”

Logout.

Kreative Ergüsse
 

Medizin

Datum: 15.3.2009
Tags: , ,

Mit einer Packung Kekse in der Hand stehe ich in der Ambulanz des Krankenhauses. Bei der Aufnahme sage ich: “Mein Herz ist gebrochen. Können sie mir helfen?”

“Leider nein”, antwortet die die Frau hinter der Glasscheibe. “Da sind sie hier falsch.”

“Aber wo bin ich dann richtig?”, frage ich nach.

Sie lächelt mich an und zuckt mit den Schultern.

“Möchten sie die haben? Ich brauche sie nicht mehr”, sage ich und zeige ihr die unangetastete Schachtel.

Die Glasscheibe trennt unsere Welten. Sie schüttelt den Kopf.

Darauf kann ich nichts mehr erwidern. Jedes Gefühl ist aus meinem Körper gewichen und wie ferngesteuert wende ich mich ab. Bevor ich das Gebäude verlasse, lege ich die Kekse auf einen leeren Rollstuhl, der verloren mitten in der stillen Eingangshalle steht.

Draußen ist es dunkel und der Regen hat wieder eingesetzt. Auf dem Heimweg sind meine Gedanken bei den Keksen und ich wundere mich, ob jemand sich darüber freuen kann. Wenn es soweit ist, glaube ich, wird auch mein Herz anfangen zu heilen.

Moppelmerksätze
 

Moppelmerksatz #26

Datum: 18.12.2008
Tags:

Merke:

Wenn sich eine Beziehung auf einen Packen Post-Its zweifelhaften Inhalts reduzieren lässt, dann ist es Zeit, das Altpapier rauszutragen.

Kreative Ergüsse
 

Vorübergehende Unzurechnungsfähigkeit

Datum: 5.9.2008
Tags: , , ,

Andere nennen es Liebe. Aber irgendwann verlieren wir alle unseren Idealismus.

Zumindest die meisten von uns. Zumindest ich. Es ist oft so – und meistens merkt man das erst im nachhinein, obwohl man etwa tausend Mal von allen Menschen in der näheren Umgebung darauf hingewiesen worden ist – dass man, erst einmal in die Falle der vorübergehenden Unzurechnungsfähigkeit getappt, sich mit einer beinahe noch unbändigbareren Leidenschaft, als jene eigentliche, die meistens einer gewissen Person entgegengebracht wird (außer vielleicht bei gewissen Fetischen, über die ich mich an dieser Stelle nicht weiter auslassen werde) der Verblendung anheim wirft, die einen allen Ernstes glauben lässt, es existiere ein größerer Sinn hinter all dem.

Größe. In unserer lächerlichen Kleinheit träume wir immer von Größe, gelenkt von dem verzweifelten Wunsch, einen Sinn hinter dem zu sehen, das uns dazu bringt, sich von einer Sekunde zur nächsten schmerzgeplagt über den Tag zu retten. Und wagt man es, in der Öffentlichkeit seinen Zweifel daran kund zu tun, so wird man im besten Fall als Sinnesatheist, auch bekannt als Zyniker, deklariert, oder im schlechteren Fall als depressiv. Ich habe beides schon erlebt, im Endeffekt ist der Unterschied nicht allzu groß.

Aber der Punkt ist, dass man – oder vielleicht sollte ich einfach beiden Tatsachen bleiben, und sagen: dass ich einem Idealbild hinterher gejagt bin, das in dieser Form nicht existiert, nicht existiert hat und auch niemals existieren wird. Ich habe Dinge in etwas hineinprojiziert, das nichts weiter war, als eine bloße Hülle von etwas, das ich nicht einmal ansatzweise kenne. Um es wieder einmal mit einer seltsamen Metapher zu ummanteln: Ich habe eine Macadamianuss in einer Walnussschale gesehen.

Aber die Unzurechnungsfähigkeit ( auch: seelische Abartigkeit, die laut Gesetz als Schuldausschließungsgrund gilt, was wiederum das einzige ist, das uns die Eskapaden der sogenannten Liebe auch nach Abebben eben dieser als erträglich ansehen lässt) trägt ihren Namen nicht ohne Grund. Die wirklich durchtriebene Hinterhältigkeit, die mich, selbst nachdem ich den Baum gesehen habe, auf dem die Walnüsse wachsen, selbst nach eingängiger Klopfprobe an der Schale (“Und der scheiß Baum kann meinetwegen auch eine DNA-Probe beim CSI abliefen, das is mir sowas von egal!”) hoffen lässt, dass sich darin gut versteckt doch noch eine Macadamianuss befindet.

Aber wenn man Hufe hört, dann sollte man an Zebras denken und nicht an Pferde… oder umgekehrt?

| Log in
© moppelkatze.com