Lesestoff: Ein Mord den jeder begeht von Heimito von Doderer.
Kreise müssen sich schließen. Zumindest ist das der ideale Fall, der leider allzu selten eintritt. Wenn sich dieser Kreis endlich schließt, dann ist man wirklich und endlich offen für Neues – schade nur, wenn man nicht mehr dazu kommt, diese Offenheit zu nützen.
Andererseits – ist es nicht so etwas wie ein perfekter Abschluss, wenn es an dem Punkt zu Ende ist, auf den man fast ein Leben lang hingestrebt hat? Und würde der Umkehrschluss dann bedeuten, dass man nicht sterben kann, solange man diesen Punkt nicht erreicht hat?
Wahrscheinlich nicht, aber zumindest sind das Gedanken, die am Ende dieses Buches durchaus aufkommen können.
Im Grunde: Lebensgeschichten sind nicht so wirklich mein Ding (ein ganzes Leben ist so fürchterlich lang, und, sein wir uns einmal ehrlich – den Großteil der Zeit geschieht auch nichts wirklich Nerven kitzelndes, oder?)
Ok, ok, ich gebe zu, abgekürzt im Buchform, zwangsläufig, trotzdem gibt es Dinge, die sind einem im Grunde egal. Oder mir egal, um nicht allzu präpotent in meiner Meinungskundgabe zu wirken. Die Geschichte, deren Hintergedanke mir eigentlich gefällt, zumal schon ein Hintergedanke vorhanden ist, was prinzipiell ein gutes Zeichen ist, ist allerdings kein, wie sie uns selbst sagen will, Kreis, sondern – unschön! – eher eine deformierte Ellipse; ein Ei, kurz gesagt.
Alles schließt zwar am Ende wunderbar zusammen, aber die Erzählung hat durchaus einen Zenit, die Spitze des Eibergs, sozusagen, an dem sich die Ereignisse drängen, die Spannung steigt, das Lesen reizt. Seitlich dieser Spitze entsteht jedoch ein Gefälle, von dem aus man langsam über die große Wölbung des Eis dahintrottet, ohne Aussicht auf einen verheißenden Gipfel, denn es folgt Wölbung auf Wölbung auf Wölbung…
Nicht, dass ich hier etwas schlecht machen wollen würde – ich meine, Doderer, hallo, jeder meiner Prefessoren würde mich dafür lynchen – es ist nur… ein Ei. Und eine Lebensgeschichte. Eiförmig.