Everyday Blog
 

Im Delirium

Datum: 24.10.2009
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Also, Dr. W., eines müsste ich dann doch noch loswerden. Zu meiner Verteidigung: ich bin schlagfertiger, wenn ich mich nicht gerade vor Schmerzen krümme, weniger weinerlich, wenn ich nicht nackt auf einem OP-Tisch liege (scheiß Gefühl, ganz ehrlich), und weniger schwachsinnig, wenn ich nicht gerade zwei Minuten zuvor aus der Narkose aufgewacht bin.

Ich appelliere an Sie als Anästhesist, das nachzuvollziehen. Immerhin die missverstandeste Gattung von Ärzten, die uns Film und Fernsehen so präsentieren. In diversen Serien á la ER oder Grey’s Anatomy steigen die Anästhesisten nie besonders gut aus. Es sind diejenigen, mit der am wenigsten spektakulären, medial trasportierbaren Rolle, die nur daneben sitzen und Monitore überwachen, während andere für Action zuständig sind. Wenn es einen gibt, der Alkoholiker oder medikamentenabhängig ist, dann ist es der Anästhesist. (Dass es in Wahrheit anders aussieht spiegelt sich, glaube ich, allein schon an der guten Bezahlung wieder.)

Dank Ihnen weiß ich es jetzt besser. Ich meine, um über Möglichkeit diverser Suchtkrankheiten urteilen zu können, kenne ich Sie natürlich nicht gut genug, aber verdammt, wenn es einen McDreamy in diesem OP gab, dann waren Sie das.

Aber ganz ehrlich, die Nummer mit dem iPhone nach dem Aufwachen war jetzt auch nicht ganz der Bringer, oder? Ich war a) im Delirium, hatte b) keine Stimme (die kam, nebenbei bemerkt, erst 2 Tage später ganz wieder – ich kam mir vor wie Arielle), und c) war das verflucht noch mal der einzige Satz, den ich auf kroatisch kann, weil ich erst lächerliche 4 Unterrichtsblöcke hatte! Normalerweise teile ich Fremden (McSonstwie hin oder her, das tut nichts zur Sache) nicht ohne Aufforderung mit, dass neben dem Lautsprecher eine Katze sitzt. Nein.

Und zu sagen “Ach, die jungen Mädchen!” und dabei melodramatisch den Kopf zu schütteln, das fand ich jetzt auch nicht so ganz okay. Zumal ich bemerken muss – wann haben Sie zuletzt in den Spiegel gesehen? Sie sehen nicht älter aus als 25, insofern ist solch eine Bemerkung einer 23-jährigen gegenüber äußerst unpassend. Besonders wenn Besagte gerade kurz davor ist, ausgeweidet zu werden und deswegen einen Nervenzusammenbruch bekommt.

Ja, das weiß ich alles noch. Auch, dass der Sauerstoff nach Pfefferminz geschmeckt hat. Das wollte ich Ihnen noch sagen, Dr. W., aber dazu gab es keine Gelegenheit mehr.

Trotz allem: bis auf den erlösenden Satz “Sie dürfen heute nachhause” war jedes Wort, das über Ihre Lippen kam, das Beste, was ich in diesem Krankenhaus gehört habe. Naja, “Erbrochenes könnte in Ihre Lunge gelangen und Sie würden sterben” lassen wir dabei besser außen vor. So ganz unter uns.

Danke jedenfalls, Dr. W., Sie waren der beste Anästhesist, den ich je hatte. (Und der einzige.) Hätte bei Gelegenheit nichts gegen einen schlechten Kaffee aus dem Automaten mit Ihnen gehabt. (Am zweiten postoperativen Tag, als ich wieder Kaffee trinken durfte…) Auch, wenn ich Ihnen eines nicht verzeihen kann: Muse müsste man dann doch kennen…

Kreative Ergüsse
 

Wie Wasser.

Datum: 5.9.2009
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Eine Kurzgeschichte die ich… vor verflucht langer Zeit geschrieben habe, bald sind es drei Jahre. Wahnsinn, was sich über diese Dauer hinweg alles verändern kann. Und noch viel wahnsinniger ist, was sich alles nicht verändert.

Und nun erstmals zu lesen…

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Marmorbäume, Gedankenlaub

Datum: 27.6.2009
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Es ist sieben Uhr morgens, als ich erwache, aber nicht von dieser Sorte, bei der man in Richtung Uhr blinzelt und sich freut, dass man guten Gewissens noch ein paar Stunden weiterdösen kann. Nein, es ist ein hartes, kaltes Erwachen, ein unwiderrufliches, das einzig den verzweifelten aber nutzlosen Versuch nach sich ziehen kann, sich stundenlang im Bett hin und her zu wälzen, nur um schließlich entnervt aufzugeben und den restlichen Vormittag vor dem Fernseher herumzuhängen.

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Everyday Blog
 

Eines Tages musste es passieren.

Datum: 24.4.2009
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Letztendlich bin ich also wirklich in einer Welt angelangt, in der ausschlafen bedeutet, bis neun im Bett zu liegen und an die Decke zu starren.

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Akustischer Kurzschluss

Datum: 13.4.2009
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Ich kann Travis nicht mehr hören. Was schade ist, denn ich mochte – mag – Travis sehr. Wieder, muss ich fast sagen, seit ich sie im letzten Jahr am Frequency live gesehen habe. “This is our last song, and it’s dedecated to the guy, who is just about to jump”, sagte Fran Healy und zeigte auf den Mann, der gerade am Bungee-Turm stand. “But, hopefully, it’s not his last song.” Tausende Augenpaare verfolgten jene Sekundenbruchteile mit, die darüber entschieden, ob es sein letzter Song sein würde. War es nicht.

Jedenfalls war der Auftritt gut, die Band war gut. Ich begann, die alten CDs wieder zu hören, Travis neu zu entdecken, zu lieben. Aber jetzt, Monate später, kann ich es plötzlich nicht mehr.

Ähnlich ist es bei Radiohead, die ich allerdings nie live gesehen habe. Jedoch gibt es da ein Video von Thom Yorke auf YouTube, in dem er komisch lacht, was gewissermaßen auch eine persönliche Bindung aufbaut.

Nicht einmal IAMX geht noch, nicht einmal Chris Corner, den ich fünf Mal live gesehen habe; dem ich in einem Akt wüstesten Fangirltums in den Schritt gegriffen habe; der noch im Dezember unangefochten meine Liste der Most Fuckable Men Ever angeführt hat. Die Musik bewegt nichts mehr, da ist bloß Taubheit – in mehr als nur einem Sinn.

Ein Schutzmechanismus. Denn würde es noch etwas in mir auslösen können, es täte zu sehr weh…

Einzig Elliott Smith ist mir geblieben. Jeden Abend, Nacht für Nacht. Gerade er, der den Weltschmerz selbst am wenigsten vertragen hat. Aber dieser Schmerz, bei ihm ist er am schönsten.

“Everything means nothing to me.”

Kreative Ergüsse
 

Regentag

Datum: 6.4.2009
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Ich will es nicht Kurzgeschichte nennen. Aber es ist kurz und so etwas Ähnliches, wie eine Geschichte, also drängt sich diese Betitelung wohl auf. Es geht ein bisschen um Kunst und ein wenig auch um Regen. Aber irgendwie trifft das die Sache so gar nicht

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Kreative Ergüsse
 

Dunkle Wasser

Datum: 24.3.2009
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Angst macht mir nicht die Tiefe, sondern nicht zu wissen, was unter mir ist. Schon spüre ich, wie es an meinen Beinen zerrt, wie meine Arme schwerer werden. Finsternis nicht nur unter, sondern plötzlich auch über mir. Fahles Mondlicht bricht sich in der Wasseroberfläche, die sich durch meine hastiger werdenden Züge kräuselt. Spiegelt sie wirklich nur meine Bewegungen, oder ist da noch etwas anderes?

Die Schwärze unter mir lähmt meine Gedanken, Panik steigt in mir hoch, überfällt mich von alles Seiten. Ich keuche und schlucke Wasser, spucke, huste, verliere die Orientierung. Wohin? Die Finsternis greift nach mir, schon spüre ich, wie sie ihre Klauen ausfährt, um mich zu verschlingen.

Und plötzlich sehe ich dich vor mir. Ein Ziel. Ein Ufer. Ich schließe die Augen, ein Zug mit neuer Kraft und ich merke, wie mein rasender Puls sich wieder beruhigt. Ich bin nicht allein.

Nicht mehr lange, und ich fühle Grund unter meinen Füßen, schleppe mich auf allen Vieren an Land. Falle erschöpft auf den kiesigen Boden, und weiß, dass ich wieder allein bin. Immer war.

Aber ich kenne dein Geheimnis. Deine Angst vor dem dunklen Wasser – und das nimmt mir die meine.

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Fragestellung

Datum: 23.3.2009
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Wenn du deinen Tod kommen siehst, wirst du dann deine Augen offen halten?

Kreative Ergüsse
 

Exit Music (For A Film)

Datum: 21.3.2009
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“Love?”, schreibt er und meint mich damit. Irritierend. “Ich vermiss dich so sehr, dass es fast körperlich weh tut.”

Der weiß doch nicht mal, was Liebe ist, denke ich, und antworte: “Ich weiß was du meinst…”

Er linkt mir einen Song von Radiohead, der ihn laut eigener Aussage an mich erinnert. Das nehme ich zweifelnd zur Kenntnis, Thom Yorke tendiert normalerweise eher zu neurotischem Weltschmerz als zu Romantik. Außerdem kotzen mich die YouTube-Videos inzwischen ziemlich an.

Der inszeniert sich doch genauso sehr wie ich, denke ich, und google ein Zitat von Thomas Bernhard, das ich ihm als mein umfangreiches Literaturwissen verkaufe, was ihn wiederum zu einer Äußerung der völligen Verzückung motiviert.

Das Ganze ist doch, überlege ich mit einem weiteren flüchtigen Seitengedanken an Bernhard, nur Theater, das wir spielen, weil wir uns beide selbst so gut in unseren Rollen gefallen. Die “star-crossed lovers” aus dem Web, die ihre Liebe auf diese höhere, vergeistigte Ebene gehoben haben, weil ihnen das Schicksal die körperliche Nähe verwehrt.

Bullshit, denke ich.

“Was auch immer passiert, ich könnte dich nie wieder vergessen. Jeden einzelnen Tag meines restlichen Lebens werde ich an dich denken.” Heute übertrifft er sich wieder selbst.

“Darling, du trägst ein bisschen dick auf, das ist dir schon klar, oder?”, äußere ich meine berechtigten Zweifel. Ich will zumindest noch so tun können, als wäre das alles erst gemeint, so verkommt es eher zu einer Schmierenkomödie.

“Wie kannst du mir nur unterstellen, ich würde das nicht ernst meinen? Ich meine jedes Wort!”, ereifert er sich. Ich sehe, wie er beim Tippen mehrmals etwas löscht, bevor er die Nachricht absendet.

Ich danke der Academy, sagte Edward Norton einst in Fight Club und ich weiß jetzt ungefähr, wie er sich dabei gefühlt hat.

Ich stoße ein virtuelles Seufzen aus und sage: “Es ist so hart…”

“Dass wir uns nicht sehen können?”, schlägt er als dramatische Wendung vor.

“Nein. Du hast mir nicht nur Radiohead, sondern auch nun auch noch Edward Norton versaut.”

Logout.

10 Dinge
 

10 Dinge, die ich nicht leiden kann

Datum: 18.3.2009
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…und trotzdem aus dem einen oder anderen Grund mein Eigen nenne.

  1. Hang zum Nägel kauen (Orale Fixierung ist etwas, wovon Ex-Raucher ein Lied singen können.)
  2. Bettwäsche mit chinesischen Schriftzeichen (Da könnte “Schweineschmalz” draufstehen und keiner würde es wissen!)
  3. StudiVZ-Account (Der Drang zu stalken ist stärker als ich…)
  4. Einen Magen (Hätte man keinen, könnte er sich auch nicht umdrehen.)
  5. Headset (Berufskrankheit?)
  6. Melodrama (Der Hang, auf höchstem Niveau zu leiden ist unabstreitbar. Und schmerzhaft.)
  7. Die neueste Staffel von Grey’s Anatomy (Well, duh. Wer sie gesehen hat, wird wissen, was ich meine.)
  8. Haus- und Hof-Psychopath (Ziehen sie mich an, oder ich sie?)
  9. Silberfischchen (Damn it!)
  10. Blog (Eine Zivilisationskrankheit. Bomb the Blogosphere!)
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