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Flugbahnen

Datum: 11.10.2009
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Die Zeit verfliegt. Nicht wörtlich, so als würden ihr plötzlich Flügel wachsen und sie sich von einem Mauervorsprung stürzen, kurz ins Trudeln geraten, dann aber ihre Schwingen auf majestätische Weite ausbreiten und sich von der Luft tragen lassen, gleiten, als würde sie von unsichtbaren Fäden gehalten, wie eine fliegende Untertasse in einem Ed-Wood-Film.

Nicht ganz.

Sie ist einfach nur so aufgefüllt – vollgestopft, geradezu – und um wieder ein Bild zu verwenden, muss ich dabei an den Wolf denken, dem die sieben Geißlein nach ihrer heroischen Rettung durch den Jäger (den ich immer schon für den eigentlichen Bösewicht der Geschichte hielt) Steinbrocken in den Bauch füllen. Ungefähr so wie dieser Wolf fühlt meine Zeit sich an. Und wenn sie sich zu tief über einen Brunnen beugt, dann fällt sie hinein und verschwindet auf Nimmerwiedersehen.

Vielleicht auch ein Grund, warum ich mich schon so lange nicht mehr auf einer Brücke aufgehalten habe.

Ich bin nicht sicher, worauf ich mit all dem eigentlich hinaus will. Man sollte doch annehmen, so eine Meinungsäußerung sollte irgendein Ziel haben, ein Schlussargument vortragen, einen abschließenden Witz, in dem all das vorher gesagte kulminiert. Nichts da. Aber immerhin befinden wir uns im Zeitalter der sinnlosen Meinungsäußerung ins Leere (vgl. Trouble with Twitters), und wer die Muße hat, sich aus all jenem eine gehaltvolle Information zu basteln, dem sei an dieser Stelle gleichermaßen gratuliert und kondoliert.

Diese Radiowerbung für irgendeinen Mobilfunkanbieter, die seit neuestem kursiert, spiegelt diesbezüglich erstaunlich gut den Zeitgeist wieder:
“Ich hab letztens Marmelade gegessen, die war von 1970 – war nicht mehr gut.”
“Und warum erzählst mir das?”
“Weil’s nichts kostet.”

Und da wären wir auch schon am Ende. Aus dem jeder schließen kann, was er will, sei es nun “Warum kommunizieren wir über Twitter mit vielen Fremden über die Tastatur, anstatt mit einem besonderen Menschen über den Rand eines Glases Rotwein?” oder “Gerade wo doch Zeit so ein knappes Gut ist, sollten wir sie so effizient wie möglich nutzen, indem wir in kurzer zeit möchlichst viele Leute ansprechen.” oder “Jetzt drückst du dich schon wieder seit einer halben Stunde vorm Lernen, was ist eigentlich los mit dir?”

Oder…

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