Everyday Blog
 

Opium fürs Volk

Datum: 15.11.2009
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Es war die kleinste der vier Messehallen, in der sich schließlich Besucher, Verlage, Autoren, und solche, die eines davon waren aber lieber ein anderes wären, unter allzu gesitteten Umständen begegneten. Weil ich David Schalko, den zu heiraten ich gedacht hatte, um grob geschätzte 15 Minuten verpasste, grollte ich zunächst in erster Linie dem Schicksal, und fragte mich, ob nun der neu erworbene Wintermantel (daher die Verspätung) oder meine Verbindung mit David Schalko, die unserer Begegnung unweigerlich gefolgt wäre, länger die Zeit überdauert hätte. Aber schließlich blieb mir kaum etwas anderes übrig, als über diese unglückliche Verkettung der Umstände hinweg zu sehen, indem ich tief den Atem tausender Bücher in mich einsaugte und einen Moment die Augen schloss, um zu realisieren, wo ich war. Auf der Wiener Buchmesse.

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10 Dinge
 

10 Abstrusitäten

Datum: 14.6.2009
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Ich wusste, dass der 13. Juni ein besonderer Tag sein würde. Ich wusste bloß nicht weshalb. Um genau zu sein ist es mir immer noch nicht ganz klar. Daher…

10 Dinge, die gestern nicht passiert sind:

  1. Mir ist ein dritter Arm gewachsen.
  2. Die Katze hat ihre erste Maus gefangen.
  3. Ich hatte den besten Sex meines Lebens.
  4. Ich hatte Sex. (Ha.)
  5. Schafe stürmten die Straßen von Graz und trabten laut blökend durch die Herrengasse. Einige fielen in Baugruben.
  6. Ich habe eine gesunde, nahrhafte Mahlzeit aus Bioprodukten zu mir genommen, die ich natürlich selbst zubereitet habe.
  7. Eine Menge sinnvoller Ideen, von denen ich überzeugt bin sie in die Tat umsetzen zu können, kreuzten meine Gedanken.
  8. Die Murinsel löste sich aus ihrer Verankerung und trieb mitsamt Gästen und Personal die Mur hinab, und zwar bis zu deren Mündung in die Drau, dann weiter in die Donau und zu guter Letzt ins Schwarze Meer. (Das ist subtiler Bildungsbloggismus.)
  9. Im Schwarzen Meer hat sie sich festgesetzt. Während sie von unten vom Salz zerfressen wird, bangen die darauf gefangenen Menschen um den zur Neige gehenden Kaffeevorrat, der vom Salz augenblicklich verdorben würde.
  10. Mein Zigaretten- und Alkoholkonsum blieb in einem annehmbar überschaubaren Maß.

Dafür für den heutigen Tag zu verbuchen: erster Sonnenbrand der Saison! Yay, Hautkrebs!

Moppelmerksätze
 

Moppelmerksatz #29

Datum: 3.6.2009
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Merke

Ich muss aufhören, mit Männern zu schlafen, die mein Blog lesen. Oder umgekehrt.

(Was auch immer die Umkehrung davon ist.)

Kreative Ergüsse
 

Orgasmus im Kopf

Datum: 14.5.2009
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“…und dann war auf einmal alles so oh mein Gott und Farben und schwarz und verschommen und ich dachte das ist es jetzt, das und nichts anderes und möge dieser Augenblick doch ewig dauern und gleichzeitig so, verdammt, ich halt das nicht aus, muss sterben, das ist zu viel, das ganze Sein in einem einzigen Moment, so komprimiert wie ein schwarzes Loch mit unendlicher Dichte und allem, so verstanden hab ich das ja nie, aber dieses Gefühl, dieses Gefühl, Wahnsinn, ich dachte, das muss nah dran sein…”

Höhepunkte gibt es diverse, nicht nur sexueller Natur. Jeder hat da seine eigenen, je nach Interesse, nach Gefühlslage, nach Stimmung. Die Klänge einer Opernarie sollen den einen oder die andere schon durch diverse Stadien der Verzückung getrieben haben, während andere nur ein müdes Kopfschütteln dafür übrig haben. Dieses Bild ist aber ohnehin schon so abgenutzt durch Film und Fernsehen, dass keine formulierungstechnische Politur der Welt es wieder auf Hochglanz bringen könnte.

Also bleiben wir bei dem, was wir kennen. Beispielsweise diese Begebenheiten, in denen man glaubt, die Welt bleibe stehen, weil so viel Perfektion nicht in einen ganz normalen Moment hineinpassen darf. Das kann meinetwegen die bestandene Matura sein, oder dieser eine Moment, wenn man aus einem Flugzeug steigt und sich denkt “Fuck, ich bin wirklich hier!”, oder etwas viel Banaleres, das einfach irgendwie zu etwas Besonderem wird.

Vielleicht ein Konzert, eine Band die man kennt, liebt, möglicherweise sogar vergöttert, und die Leute reden immer von der Stimmung wenn sie davon erzählen, und als jemand, der es nicht gesehen hat denkt man sich dann “Ach leck mich doch mit deiner Stimmung, war die Band jetzt gut oder nicht?” Aber gut ist doch gar kein Ausdruck. Nicht für diesen Moment, in dem tausende Gedanken verschmelzen, zu einem undefinierbaren Großen werden, wenn man abhebt und sich die normalen Konturen der Welt aufzulösen beginnen. Dieses Massenphänomen, das ist der multiple Kopforgasmus.

Eine wichtige Sache die wir daraus lernen ist: Höhepunkte sind etwas, das sich durch Teilung potenziert. (Man beachte das überaus gewagte Wortspiel mit der Potenz…) Soll heißen, man genießt sie am besten gemeinsam.

Und ich, ja, ich habe vor, das bald wieder zu spüren, dieses unglaubliche Gefühl, wenn man den Grund unter den Füßen verliert. Denn er kommt nach Graz. Bald. Und ich werde mich wieder zu alten Höhen aufschwingen, wenn ich, das Fangirl par excellence, Chris Corner singen höre “I need you in the world, my simple girl”.

Nur für mich. Bestimmt.

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“Könnte mich bitte jemand erschießen?”

Datum: 9.4.2009
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Ich stelle diese Frage einfach so in den Raum und hoffe, irgendwer würde sie mehr kommentieren, als bloß den Mund zu einem halbherzigen Grinsen zu verziehen, um im nächsten Moment mit dem Blick wieder zum Bildschirm zu schwenken und ins Mikro zu sagen: “Ja, der Artikel ist lagernd.”

Seufzend nehme ich meinen nächsten Anruf entgegen. Eine Rechnung stimmt nicht. Schon weitergeleitet zum Second Level: “Hallo, eine Kontoklärung, bitte.” Es kommt mir vor, als hätten meine Stimmbänder Lähmungserscheinungen.

“Einen schönen guten Tag wünsche ich!”, fliegt mir ein Stückchen Freude vom anderen Ende der Leitung entgegen. Oh. ER. Ich habe ihn nie gesehen, und ich fürchte fast, er ist verheiratet, aber er hat diese unglaubliche Art, einen schönen guten Tag zu wünschen, dass mir jedes Mal ganz anders wird, wenn ich ihn zufällig am Telefon habe.

“Uh, ja.. die, erm, Kundennummer. Darf ich? Ich meine, kann ich sie schon durchgeben?”, fange ich plötzlich an zu stottern. Damn it. Wie albern. Andererseits auch die einzige Abwechslung in meinem grauen Arbeitsalltag zwischen Artikelnummern und Retouradressen.

Fast beneide ich die Kundin, die ich jetzt zu ihm durchstelle. Ob ich für so ein Gespräch auch einen Sendungsverlust in Kauf nehmen würde? Wahrscheinlich ist sowas das weibliche Pendant zu Telefonsex: mit einem charmanten Mann über Einkäufe zu sprechen. Oder generell – Teleshopping. Zum ersten Mal beginne ich das Phänomen zu begreifen.

Für ein solches Gespräch, überlege ich, da könnte der Lieferant auch ins Zimmer stürmen und meinen Kleiderschrank in Flammen setzen, wenn’s sein muss. (Ähnliches kam tatsächlich vor: “Ja, ich habe das Paket erhalten, aber der Bote kam später wieder und hat die T-Shirts aus meinem Kasten gestohlen! Die müssen sie mir ersetzen!”)

Aber ganz so drastisch muss es ja nicht sein. Schon Sekunden später blinkt das rote Lämpchen an meinem Telefon wieder und ich drücke auf den Knopf, um den Anruf entgegen zu nehmen – in der stillen Hoffnung, der Kunde hätte ganz gewaltigen Mist mit seinen Zahlungen  gebaut.

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Sterben?

Datum: 11.10.2008
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The morning breaks us up inside
Payback, execution, killing time
So watch as I start to smile…

Chris Corner war immer schon ein Künstler im Jonglieren mit Zynismus, Verzweiflung und traurigem Weltuntergangssex. Natürlich ist das mittlerweile ein leicht angestaubtes Bild, aber mal ehrlich – who cares? Ich meine, im Grunde ist es doch immer nur der völlige Untergang, auf den wir hoffen, nur um im Nachhinein wünschen zu können, es wäre nie so weit gekommen.

Ein Orgasmus wird nicht umsonst “der kleine Tod” genannt. Ich könnte mich jetzt in weiteren blumigen Metaphern ergehen, um diesen Punkt zu beschreiben, aber ich lass es besser – es hat ohnehin jeder seine eigene Vorstellung davon.

Im Endeffekt läuft es aber immer auf das hinaus, was Tyler Durden uns schon vor Jahren gepredigt hat: Erst wenn man alles verloren hat, gewinnt man die Freiheit, alles zu tun.

In Tyler we trust.

Aber mal ganz ehrlich – wer würde schon Tyler Durden wollen, wenn er Chris Corner haben könnte? Außerdem kratzt letztgenannter doch zumindest an der harten Schale der Realität, weil er begreift, dass unser Leben, trotz all diesem Strebens nach Vervollkommnung oder nach dem endgültigen Untergang oder beidem gleichzeitig, nichts weiter ist als die ewig gleiche Rolle des miesen schwarz-weiß-Films der Mittelmäßigkeit, dem eigentlichen Sumpf unserer Zeit.

Neurotic Repetition.

Miss Melodrama schlägt wieder zu. Knock out.

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Neulich…

Datum: 13.6.2007
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Meister Senf: Hey, ich hab bitte jedes Recht, hetero zu sein!

Moppelkatze: Aber bei Chris Corner könntest du doch eine Ausnahme machen?

Aber diese Augen! Diese AUUUUGEN!
chris_eye.jpg

Kreative Ergüsse
 

Kaffeehausimpressionen

Datum: 24.5.2007
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Ein kreativer Erguss:

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Everyday Blog
 

Musisches

Datum: 19.5.2007
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“Eine Muse (griechisch Μούσα) ist eine Person, die einen anderen Menschen zu kreativen Leistungen anspornt oder inspiriert. Oft sind Musen Frauen im Umfeld von Künstlern,” so Frau Dr. Wikipedia.

Was macht jemanden jetzt also effektiv zur Muse? Auch darauf hat Dr. Wiki eine Antwort: wenn man jemanden durch seinen Charakter (egal wie geartet er nun auch sein mag), seine Ausstrahlung (ob positiv oder negativ, darüber richtet niemand als der Künstler selbst), menschliche Zuwendung und/oder durch eine sexuelle Beziehung Inspiration schenkt, dann ist man eine Muse.

Warum? Dr. Wiki erklärt: “Ursprung ist die antike Vorstellung, dass Ideen nicht selbst entwickelt, sondern von Göttern (oder eben Musen) von außen eingegeben werden. In der Neuzeit begann man, auch Personen aus Fleisch und Blut als Musen zu bezeichnen – meist Freundinnen von Künstlern, vereinzelt auch Männer.”

Demnächst: Muse sucht Künstler! :)

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